17. September 2026 / Stadt Lippstadt

Dialog „Gewalt gegen Frauen“ - 60 Interessierte entwickeln konkrete Ideen und Maßnahmen

Lippstadt. Rund 60 Menschen haben beim Dialog "Gewalt gegen Frauen" darüber beraten, was in Lippstadt konkret gegen...

Veröffentlicht am 17. September 2026 um 08:00 Uhr


17.09.2026 - Stadt Lippstadt


Dialog „Gewalt gegen Frauen“

60 Interessierte entwickeln konkrete Ideen und Maßnahmen


Lippstadt. Rund 60 Menschen haben beim Dialog „Gewalt gegen Frauen“ darüber beraten, was in Lippstadt konkret gegen Gewalt, Grenzüberschreitungen und Abhängigkeiten getan werden kann. Ausgangspunkt war die Kundgebung gegen Gewalt an Frauen im März, bei der Bürgermeister Alexander Tschense angekündigt hatte, das Thema weiterzuverfolgen und unterschiedliche Akteurinnen und Akteure zusammenzubringen. Nach einem fachlichen Impuls der Frauenberatungsstelle Soest wurde in acht Kleingruppen intensiv diskutiert. Am Ende wurden vier konkrete Ideen ausgewählt, die nun von kleinen Arbeitsgruppen weiterentwickelt und möglichst auch umgesetzt werden sollen.


 


Die Kundgebung im März sollte nicht ohne Folgen bleiben. Bereits dort hatte Bürgermeister Alexander Tschense deutlich gemacht, dass ein klares Zeichen gegen Gewalt wichtig sei, es aber nicht bei Betroffenheit und öffentlichen Appellen bleiben dürfe. Mit dem Dialog „Gewalt gegen Frauen“ wurde dieses Versprechen nun eingelöst.


 


Vorbereitet wurde die Veranstaltung gemeinsam mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Lippstadt. Daniela Franken und Verena Wieneke waren an Konzeption und Organisation beteiligt. Für die Moderation konnte Alexander Tschense Johanna Brühl gewinnen, die in Lippstadt unter anderem durch die Gründung des Frauennetzwerks bekannt ist.


 


Den inhaltlichen Einstieg gab Lena Sauerland von der Frauenberatungsstelle Soest mit einem fachlichen Impuls. Sie zeigte, wie unterschiedlich Gewalt gegen Frauen auftreten kann: körperlich und sexualisiert, aber ebenso psychisch, ökonomisch, digital oder strukturell.


 


Besonders nachdenklich machten zwei Zahlen: Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Nahezu jeden zweiten Tag gelingt es. Gleichzeitig machte Sauerland deutlich, dass die Auseinandersetzung mit Gewalt nicht erst bei diesen extremsten Formen beginnen darf. Auch Kontrolle und Abwertung, unerwünschte Berührungen, Aufdringlichkeit oder anzügliche Kommentare können Grenzen überschreiten und müssen ernst genommen werden.


 


„Gewalt beginnt nicht erst mit körperlichen Übergriffen. Sie zeigt sich oft viel früher – in Kontrolle, Abwertung, Grenzüberschreitungen oder psychischem Druck. Entscheidend ist deshalb, diese Formen ernst zu nehmen, Betroffene früh zu erreichen und zugleich gesellschaftliche Haltungen zu verändern, die solche Grenzüberschreitungen verharmlosen“, so Lena Sauerland.


 


Dass das Thema keineswegs abstrakt ist, wurde auch in den anschließenden Gesprächen spürbar. Teilnehmende berichteten von eigenen Erfahrungen und Situationen, in denen Grenzen überschritten oder Gewalt erlebt wurde. Dieser persönliche Austausch gab den Diskussionen eine besondere Ernsthaftigkeit und zeigte zugleich, wie unterschiedlich die Erfahrungen mit Gewalt sein können.


 


„Mich hat besonders bewegt, wie offen viele Teilnehmende über eigene Erfahrungen gesprochen haben. Das zeigt, dass Gewalt gegen Frauen kein abstraktes Thema ist, sondern Menschen ganz konkret betrifft. Mir war deshalb wichtig, dass wir nicht bei Betroffenheit stehen bleiben, sondern daraus konkrete Schritte für Lippstadt entwickeln“, sagte Bürgermeister Alexander Tschense.


 


Genau darum ging es im zweiten Teil des Abends. In acht Kleingruppen wurde intensiv darüber beraten, wo in Lippstadt Handlungsbedarf besteht, welche Ansätze helfen könnten und welche Ideen sich tatsächlich umsetzen lassen.


 


Im Verlauf des Abends wurden zahlreiche Vorschläge gesammelt und diskutiert. Am Ende wählten die Teilnehmenden daraus vier konkrete Maßnahmen aus, die nun in kleinen Gruppen weiter ausgearbeitet werden sollen. Dazu gehört unter anderem eine Informationskampagne in Gastronomiebetrieben und an öffentlichen Orten: QR-Codes auf Bierdeckeln, Flyern oder Aufklebern sollen Frauen unkompliziert und unauffällig zu Beratungs- und Hilfsangeboten führen. Gleichzeitig soll die Kampagne auch Männer ansprechen und dafür sensibilisieren, wo Grenzüberschreitungen und unterschiedliche Formen von Gewalt beginnen. Die Arbeitsgruppen sollen nun die Ideen konkretisieren, notwendige Partner einbeziehen und die Umsetzung vorbereiten.


 


Für Tschense ist gerade dieser Schritt entscheidend: Der Dialog sollte nicht mit einer Sammlung guter Vorschläge enden. Ziel sei es von Beginn an gewesen, Menschen zusammenzubringen, Ideen gemeinsam zu entwickeln und anschließend auch Verantwortung für ihre Umsetzung zu übernehmen.


 


Die Stadt wird den weiteren Prozess begleiten. Damit wird der Weg fortgesetzt, der mit der Kundgebung im März begonnen hat: nicht wegsehen, nicht schweigen, nicht verharmlosen, sondern gemeinsam überlegen, was sich vor Ort konkret verändern lässt.






Stadtverwaltung Lippstadt
Pressestelle der Stadt - Julia Köller

Telefon: 02941 980-313
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Quelle: Stadt Lippstadt | www.presse-service.de

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