Es klingelt, am anderen Ende meldet sich ein Polizist — und was er erzählt, klingt schrecklich: ein schwerer Unfall, eine Verhaftung, eine Einbruchsserie in der Nachbarschaft. Am Ende geht es immer um dasselbe: Geld oder Wertsachen, sofort. Die Kreispolizeibehörde Soest hat am Montag, 7. September 2026, erneut vor solchen Anrufen gewarnt; nach ihren Angaben haben sich mehrere Menschen aus dem Kreisgebiet gemeldet. Wie viele Anrufe es insgesamt gab, ist nicht öffentlich bekannt.
Dieser Text ist deshalb keine Momentaufnahme, sondern zum Nachlesen gedacht: Woran du die Masche erkennst, was du im Moment des Anrufs tust — und an welche Stelle der Anruf danach gehört.
So läuft die Masche
- Falsche Rolle. Die Anrufer geben sich als Polizeibeamte aus, mitunter auch als Staatsanwälte oder andere Amtspersonen.
- Schocknachricht. Es folgt eine erfundene Nachricht, die den Angerufenen aus der Fassung bringen soll — häufig ein angeblicher Unfall eines Angehörigen.
- Geldforderung unter Zeitdruck. Gefordert werden hohe Bargeldbeträge oder Wertsachen, meist so schnell, dass keine Zeit zum Nachdenken bleibt.
- Variante Nachbarschaftseinbruch. Im Mai 2026 warnte die Polizei vor Anrufen, in denen es um angebliche Einbrüche in der Nachbarschaft ging; Geld und Schmuck sollten „zur Sicherung" übergeben werden. Schwerpunkte waren Ense und Lippstadt.
- Manipulierte Rufnummer. Im Display kann eine echt wirkende Nummer erscheinen — bis hin zur 110. Die Anzeige lässt sich technisch fälschen und ist kein Echtheitsnachweis.
Zielgruppe sind nach Angaben der Polizei vor allem ältere Menschen.
Dass es funktioniert, zeigen drei Fälle aus dem Kreis
Belastbare Zahlen zu Betrugsanrufen im Kreis Soest oder in Lippstadt liegen öffentlich nicht vor. Diese drei Einzelfälle sind aber von der Polizei veröffentlicht worden:
- Lippstadt, 16. Juni 2026: Eine Seniorin übergab 9.000 Euro, nachdem ihr am Telefon ein Unfall ihres Sohnes vorgespielt worden war.
- Erwitte-Bad Westernkotten, 11. Mai 2026: Ein angeblicher Oberstaatsanwalt erbeutete hochwertigen Schmuck.
- Bad Sassendorf-Lohne, 31. August 2026: erneut ein erfolgreicher Schockanruf.
Ebenso lehrreich ist die andere Seite: Bei den Anrufen im Mai blieb es bei Versuchen — die angerufenen Senioren hatten einfach aufgelegt.
So reagierst du richtig
- Auflegen. Sofort und ohne Erklärung. Das ist nicht unhöflich, sondern die wirksamste Reaktion.
- Selbst zurückrufen. Angehörige unter der Nummer anrufen, die du kennst — nie über die Rückruftaste und nie über eine Nummer, die der Anrufer nennt.
- Keine Angaben zu Geld und Wertsachen. Weder am Telefon noch an der Tür, egal wer fragt.
- Kein Bargeld, kein Schmuck an Unbekannte. Die Polizei fordert grundsätzlich nichts davon — sie holt auch nichts ab.
- Familienkennwort vereinbaren. Ein Wort, das nur die Familie kennt, klärt einen echten Notruf in Sekunden.
- Telefonbucheintrag prüfen. Ein gekürzter oder gelöschter Eintrag macht es schwerer, gezielt nach älteren Menschen zu suchen.
- Sprich mit älteren Angehörigen darüber. Wer die Masche einmal gehört hat, erkennt sie am Telefon wieder.
Wohin der Anruf gemeldet wird
Diesen Teil überspringen viele — er ist der wichtigste, weil die Polizei Muster nur erkennt, wenn Anrufe gemeldet werden. Auch der reine Versuch ist eine Meldung wert.
- 110 — bei allem, was gerade passiert. Während des Anrufs, direkt danach, bei einer bevorstehenden Geldübergabe oder wenn jemand vor der Tür steht, um Geld abzuholen.
- Polizeiwache Lippstadt, Roßfeld 2, Telefon 02941 9100-2634 — rund um die Uhr besetzt, die nächste Anlaufstelle vor Ort.
- Kriminalprävention und Opferschutz der Kreispolizeibehörde Soest, Walburger-Osthofen-Wallstraße 2 in Soest, Telefon 02921 9100-4135, E-Mail kkv.soest@polizei.nrw.de — für Beratung, auch vorbeugend und auch für Angehörige. Die Zuständigkeit liegt zentral in Soest, eine eigene Präventionsstelle in Lippstadt gibt es nicht.
- Internetwache NRW unter internetwache.polizei.nrw — für Anzeigen und Hinweise, die keine Eile haben, mit Wachenfinder. Ausdrücklich nicht für Notfälle: dann 110.
Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst
Das Seniorenbüro der Stadt Lippstadt ist keine Meldestelle für Betrugsfälle und übernimmt keine Kriminalprävention — es hilft aber weiter, wenn unklar ist, an welche Stelle man sich wenden soll. Geiststraße 47, Raum 1.26; Frau Koch-Fechteler, Telefon 02941 980-681. Geöffnet montags, mittwochs, donnerstags und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr, donnerstags zusätzlich von 14.30 bis 17.30 Uhr; dienstags geschlossen. Die Beratung ist kostenfrei, auf Wunsch auch als Hausbesuch.
Quellen: Kreispolizeibehörde Soest; Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes; Ministerium des Innern NRW; Stadt Lippstadt.

