Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr 2026 59,1 Prozent des in Deutschland eingespeisten Stroms geliefert — nach 58,0 Prozent im Vorjahreszeitraum. Von insgesamt 230,6 Milliarden Kilowattstunden stammten 136,4 Milliarden aus Wind, Sonne, Biogas und Wasser. Das hat das Statistische Bundesamt am 8. September 2026 mitgeteilt. Den größten Beitrag lieferte die Windkraft mit 67,7 Milliarden Kilowattstunden, ein Plus von 12,3 Prozent. Die Photovoltaik kam auf 41,0 Milliarden Kilowattstunden.
Diese Bundeszahlen entstehen an sehr vielen kleinen Orten — und einer davon hat vor zwei Jahren für Aufsehen gesorgt.
Platz 1 in Nordrhein-Westfalen
Beim Zubau von Solarleistung pro Einwohner lag Lippstadt an der Spitze aller nordrhein-westfälischen Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern. Der Wert: 444,2 Watt pro Einwohner, gerechnet für den Zeitraum Januar bis Mitte November 2024.
- Lippstadt: 444,2 Watt pro Einwohner
- Ibbenbüren: 376,5 Watt pro Einwohner
- Euskirchen: 271,5 Watt pro Einwohner
Der Abstand zum Zweitplatzierten ist also kein Messrauschen. Im Stadtgebiet waren Ende September 2024 insgesamt 4.170 Photovoltaikanlagen in Betrieb. Die Zahlen stammen von der Stadt Lippstadt, Datenbasis ist eine Auswertung des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW.
Warum hier zwei Jahreszahlen stehen
Ein Hinweis, der zu einer ehrlichen Einordnung gehört: Die Bundeszahlen oben beschreiben das erste Halbjahr 2026. Die Lippstädter Bestandszahlen haben dagegen Stand Ende September beziehungsweise Mitte November 2024 — sie sind das Aktuellste, was die Stadt selbst dazu veröffentlicht hat. Wie sich der Gesamtbestand seither entwickelt hat, ist damit nicht gesagt. Wer es genau wissen will, findet die gemeindescharfen Bestandsdaten im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, in dem jede Anlage gemeldet werden muss.
Eine Teilantwort dazu gibt es bereits: 499 neue Solaranlagen mit 4,3 Megawatt Leistung sind zwischen Januar und August 2026 hinzugekommen (Stand 31. August 2026), so eine Auswertung des Marktstammdatenregisters. Das ist eine Zubau-, keine Bestandszahl — sie ersetzt die 4.170er-Zahl von 2024 nicht und lässt für sich allein keinen Rückschluss auf einen neuen NRW-Rangplatz zu, weil dafür ein Vergleich mit dem Zubau der anderen Kommunen nötig wäre. Im Gegensatz zur Solarenergie kam beim Windausbau in Lippstadt 2026 bislang nichts hinzu: Im selben Zeitraum wurde laut Marktstammdatenregister keine einzige neue Windkraftanlage in Betrieb genommen.
Zwei Drittel kommen aus Herringhausen
Der Spitzenplatz hat eine klare Ursache. Rund zwei Drittel des Zubaus entfielen auf eine einzige Freiflächenanlage: den Solarpark Herringhausen, der seit Mai 2024 am Netz ist. Das restliche Drittel verteilt sich auf Dachanlagen und Balkonkraftwerke — also auf sehr viele einzelne Entscheidungen in Haushalten und Betrieben.
- 20.237 Kilowatt Peak installierte Leistung
- 32.640 Module auf rund 20 Hektar
- Baustart am 15. September 2023, seit Mai 2024 in Betrieb
- Einspeisung in das Stromnetz der Stadtwerke Lippstadt
Der interessanteste Teil steht aber nicht in der Technikliste. Der Solarpark wurde mit einer Bürgerbeteiligung finanziert: Über Nachrangdarlehen konnten sich Bürgerinnen und Bürger mit 250 bis 25.000 Euro beteiligen, das Gesamtvolumen lag bei einer Million Euro. Ein nennenswerter Teil der Anlage gehört damit wirtschaftlich Menschen aus der Region — und nicht nur einem auswärtigen Investor.
Von 1.535 auf 4.170 Anlagen
Wie groß der Sprung ist, zeigt der Blick zurück. Als Lippstadt im Februar 2021 beim bundesweiten Städtewettbewerb „Wattbewerb" startete, standen im Stadtgebiet 1.535 Anlagen mit rund 25 Megawatt Peak. Ziel des Wettbewerbs ist die Verdopplung der installierten Leistung.
Ende September 2024 waren es 4.170 Anlagen. Zwei Einschränkungen dazu: Die beiden Werte stammen aus unterschiedlichen Stichtagen und Zählungen und sind keine saubere Zeitreihe. Und ein großer Teil des Zuwachses geht auf Balkonkraftwerke zurück — viele Anlagen, aber jede einzelne mit sehr kleiner Leistung. Mehr Anlagen bedeuten also nicht im gleichen Verhältnis mehr Strom.
Was die Stadtwerke damit zu tun haben — und was nicht
Eine Unterscheidung, die leicht durcheinandergeht: Die Stadtwerke Lippstadt betreiben das Stromnetz, in das der Solarpark Herringhausen einspeist. Darüber hinaus beteiligen sie sich an eigenen Wind- und Solarprojekten — diese Anlagen stehen jedoch nicht in Lippstadt, sondern in Bayern, Sachsen-Anhalt und im Saarland. Sie zählen damit nicht zu der Erzeugung, um die es in diesem Beitrag geht. Der NRW-Spitzenplatz beruht ausschließlich auf Anlagen im Stadtgebiet.
Was als Nächstes geplant ist
Die Stadt hat 2024 mehrere weitere Projekte genannt — sämtlich Planungs- und Bauzustände jenes Zeitpunkts, kein Vollzugsnachweis:
- eine weitere Freiflächenanlage mit 1,4 Megawatt, damals im Bau
- eine 500-Kilowatt-Anlage auf dem städtischen Baubetriebshof, damals geplant
- eine weitere Freifläche mit Aufstellungsbeschluss
- die Genossenschaft LippeStrom eG, die Mieterstrom auf Mehrparteienhäusern anbieten will — damit käme Solarstrom auch bei Mietern an, die kein eigenes Dach haben
Ob und wann diese Vorhaben umgesetzt wurden, ist mit den hier verwendeten Quellen nicht belegt.
Der Rahmen: klimaneutral bis 2040
Der Rat der Stadt Lippstadt hat am 21. Februar 2022 beschlossen, dass die Stadt bis 2040 klimaneutral werden soll. Der Solarausbau ist einer der Bausteine dieses Ziels. Und er zeigt, warum eine Bundesstatistik wie die vom 8. September nicht in Berlin entsteht: Sie ist die Summe von Freiflächen, Hausdächern und Balkonen — auch von denen in Lippstadt.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 317 vom 8. September 2026; Stadt Lippstadt (Mitteilung vom 27. November 2024, Datenbasis Landesverband Erneuerbare Energien NRW; Seite zum Wattbewerb; Klimamonitor); Solar-Konzept; Ratsbeschluss der Stadt Lippstadt vom 21. Februar 2022; Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, ausgewertet von IWR (solarbranche.de / windbranche.de), Datenstand 31. August 2026.

