Am 8. September 2026 sind die Ergebnisse der PISA-Studie erschienen, die im Jahr 2025 erhoben wurde. Deutschland erreicht 486 Punkte in Naturwissenschaften, 465 im Lesen und 464 in Mathematik — in allen drei Bereichen die niedrigsten Werte, die je für Deutschland gemessen wurden. Ein Fünftel der Jugendlichen verfehlt die Basiskompetenz in allen drei Bereichen, rund ein Drittel im Lesen und in Mathematik.
Die naheliegende nächste Frage lautet: Und wie steht Lippstadt da? Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Nicht, weil die Daten geheim wären — sondern weil sie nicht existieren.
Warum es keinen PISA-Wert für Lippstadt gibt
PISA ist eine Stichprobenstudie. In Deutschland haben rund 6.700 Schülerinnen und Schüler an etwa 250 Schulen teilgenommen — bundesweit, verteilt über alle sechzehn Länder. Diese Stichprobe ist so gezogen, dass sie ein belastbares Bild für die Bundesrepublik als Ganzes ergibt. Für ein einzelnes Land, einen Kreis oder eine Stadt reicht sie nicht: Dafür müssten in jedem Bundesland deutlich mehr Schulen und Jugendliche getestet werden.
Es gibt deshalb keinen PISA-Wert für Nordrhein-Westfalen, keinen für den Kreis Soest und keinen für Lippstadt. Wer solche Zahlen liest, liest keine PISA-Zahlen. Für den Vergleich zwischen den Bundesländern ist eine andere Untersuchung zuständig, der IQB-Bildungstrend — nicht PISA.
Das ist keine Schwäche der Studie, sondern ihr Zweck: PISA vergleicht Staaten, in dieser Runde 91 Länder mit über 760.000 Teilnehmenden. Durchgeführt wird sie in Deutschland im Auftrag der Kultusministerkonferenz und des Bundesbildungsministeriums.
Der Befund, der auch hier zählt: die Herkunft
Ein Ergebnis von PISA 2025 ist unabhängig von jeder Landkarte aussagekräftig, weil es nicht nach Regionen fragt, sondern nach Elternhäusern:
- Von den Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien erreichen 2 Prozent die höchste Kompetenzstufe.
- Von den Jugendlichen aus privilegierten Familien sind es 25 Prozent.
Das ist ein Verhältnis von eins zu mehr als zwölf. Diese Lücke entsteht nicht in der PISA-Stichprobe, sondern in Schulen — und Schulen stehen in Städten wie Lippstadt.
Was über Lippstadts Schullandschaft belegt ist
Die amtliche Schulliste der Stadt Lippstadt weist für die weiterführenden Schulen aus:
- 3 Realschulen
- 3 Gymnasien
- 1 Hauptschule
- 1 Gesamtschule
- 3 Förderschulen (Schwerpunkte geistige Entwicklung, emotionale und soziale Entwicklung, Lernen)
- 4 Berufskollegs, dazu das Hanse-Kolleg mit Abendgymnasium und Abendrealschule
Eine Sekundarschule gibt es in Lippstadt nicht. Für Familien heißt das: Wer nach der Grundschule keinen gymnasialen Weg wählt, entscheidet in Lippstadt praktisch zwischen Realschule, Gesamtschule und Hauptschule — bei jeweils nur einer Gesamtschule und einer Hauptschule im Stadtgebiet.
Wohin die Kinder nach der Grundschule gehen
Genau an dieser Stelle wird der Herkunftsbefund konkret, denn der Übergang nach Klasse 4 ist die Weiche, die statistisch am stärksten mit dem Elternhaus zusammenhängt. Für Nordrhein-Westfalen — nicht für Lippstadt — weist die amtliche Statistik für das Schuljahr 2024/25 rund 161.000 Übergänge aus:
- 42,5 Prozent auf ein Gymnasium
- 29,3 Prozent auf eine Gesamtschule
- 19,6 Prozent auf eine Realschule
Wichtig: Das sind Landeswerte. Sie beschreiben Nordrhein-Westfalen und dürfen nicht als Lippstädter Zahlen gelesen werden. Übergangsquoten werden zwar bis auf die Gemeindeebene erhoben — die Lippstädter Werte liegen für diesen Text aber nicht geprüft vor und werden hier deshalb nicht behauptet.
Wo die Lippstädter Zahlen tatsächlich zu finden sind
Wer für Lippstadt rechnen will, braucht nicht PISA, sondern die Schulstatistik des Landes. Sie kommt aus dem Amtlichen Schuldatensystem und ist über die Landesdatenbank NRW abrufbar:
- Statistik 21111 — allgemeinbildende Schulen: Schulen, Klassen, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte nach Schulform, dazu die Schulabgänge nach Abgangsart. Aktueller Stichtag ist der 15. Oktober 2025.
- Auswertbar nach Land, Regierungsbezirk und Kreisen; der Kreis Soest trägt dort den Gebietsschlüssel 05315. Für einzelne Städte und Gemeinden sind die Tabellen teilweise verfügbar.
Daneben veröffentlicht das Schulministerium eine Liste mit den Sozialindexstufen der einzelnen Schulen für das Schuljahr 2025/26. Sie ist der einzige amtliche Datensatz, der bis auf die Einzelschule herunterreicht, und passt inhaltlich genau zum PISA-Befund über die soziale Herkunft. Welche Lippstädter Schulen dort mit welcher Stufe geführt werden, ist für diesen Text nicht geprüft worden — deshalb steht hier keine einzige Stufe.
Was bleibt
PISA 2025 sagt sehr klar etwas über Deutschland und sehr klar etwas über den Zusammenhang von Herkunft und Bildungserfolg. Über Lippstadt sagt es nichts — und das gehört zu einer ehrlichen Einordnung dazu. Was sich für Lippstadt belegen lässt, sind Struktur und Zahlen: wie viele Schulen welcher Form es gibt, wie viele Jugendliche sie besuchen und mit welchem Abschluss sie sie verlassen. Diese Zahlen liegen amtlich vor. Sie sind der Boden, auf dem sich lokal über Bildung reden lässt, ohne eine Bundesstudie zu einer Aussage zu zwingen, die sie nicht trägt.
Quellen: OECD, PISA 2025 (Ländernotiz Deutschland); Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) im Auftrag von KMK und BMBF; Statistik NRW / IT.NRW, Landesdatenbank NRW (Statistik 21111, Stichtag 15.10.2025); Ministerium für Schule und Bildung NRW; Stadt Lippstadt (Schulliste).

