17. Juli 2025 / Lokalnachrichten aus Lippstadt

Konflikt um Schwangerschaftsabbrüche in Lippstadt: Klinik-Chefarzt initiiert Petition

Chefarzt wehrt sich gegen Abtreibungsverbot – Petition, Gerichtsverhandlung und Demo am 8. August geplant.

Veröffentlicht am 17. Juli 2025 um 08:03 Uhr von Leonard Grünke

Chefarzt in Lippstadt klagt gegen Abtreibungsverbot – Petition und Demo geplant

Lippstadt, 17. Juli 2025 – Am Klinikum Lippstadt sorgt seit der Fusion mit dem katholischen Dreifaltigkeits‑Hospital ein weitreichendes Abtreibungsverbot für große Aufmerksamkeit: Selbst medizinisch indizierte Schwangerschaftsabbrüche sollen künftig nicht mehr durchgeführt werden – außer bei Gefahr für Leib oder Leben der Mutter .

Hintergrund

Durch den Zusammenschluss mit dem katholischen Träger gelten seit Februar 2025 strenge interne Vorgaben: Schwangerschaftsabbrüche sollen grundsätzlich unterbleiben, lediglich in lebensbedrohlichen Notfällen werden Ausnahmen toleriert.

Klage des Chefarztes

Prof. Dr. Joachim Volz, Chefarzt der Frauenklinik, hält dieses Verbot für medizinisch und ethisch nicht vertretbar. Er ist der Ansicht, dass nicht die Kirche, sondern Ärztinnen und Ärzte die Entscheidung in solchen Fällen treffen sollten. Laut epd-Presse hat Volz deshalb eine Petition gestartet mit dem Ziel, religiöse Vorschriften aus öffentlichen Kliniken fernzuhalten: „Schluss mit religiösen Vorschriften in öffentlichen Krankenhäusern“.

In einem Instagram-Video beschreibt Volz, wie er im März einem Fötus mit schwerer Fehlbildung nicht helfen konnte und nennt die Situation „zynisch“ – es fehle ärztliche Hilfe. Er entschied sich: „Ich bin Arzt, kein Mörder“.

Petition und Unterstützung

Die Petition trägt inzwischen über 100.000 digitale Unterschriften – Stand: 17. Juli 2025. Volz bezeichnet sie als „Weckruf“ an Politik und Gesellschaft.

Gerichtsverfahren und Demonstration

Ein arbeitsrechtliches Verfahren ist terminiert für den 8. August 2025 um 10:45 Uhr am Amtsgericht Lippstadt (Aktenzeichen: 2 CA 182/24). Zeitgleich mobilisiert Volz öffentlich zur Demonstration: Am selben Tag startet eine Kundgebung bereits um 9:30 Uhr vor dem Evangelischen Krankenhaus in Lippstadt mit anschließender Prozession zum Gerichtsgebäude.

Standpunkte im Vergleich

Volz & Unterstützer fordern, dass medizinische Indikationen oberste Priorität haben, und sprechen von unterlassener Hilfeleistung, wenn Ärzt:innen nicht eingreifen dürfen. Katholischer Träger argumentiert, es gebe Ausnahmen bei Lebensgefahr und man verweise im Ernstfall an spezialisierte Kliniken.

Relevanz

Der Fall verdeutlicht den aktuellen Konflikt zwischen religiösen Trägerprofilen und medizinischer Selbstbestimmung in Deutschland. Solche patientenbezogenen Einschränkungen sind auch an anderen Standorten ein Thema, so Volz . Die anstehende Verhandlung und die Protestaktionen werden bundesweit beobachtet.

Meistgelesene Artikel

Kampfmittelverdacht in Lipperbruch
Stadt Lippstadt

Lippstadt. In Lipperbruch wurden im Zuge geplanter Baumaßnahmen drei Kampfmittelverdachtspunkte näher untersucht....

weiterlesen...
Lippstädter Eugen Boger sammelt für mögliche Herztherapie
Lokalnachrichten aus Lippstadt

Eugen Boger aus Lippstadt ist schwer herzkrank. Für eine mögliche Therapie sammelt er Geld über eine Online-Kampagne.

weiterlesen...
1. Mai: Luisa Laakmann live im Café Baumhoers Lippeauenblick
Veranstaltung

Live-Musik in der Lippeaue: Am 1. Mai spielt Luisa Laakmann im Café Baumhoers Lippeauenblick – als Hutkonzert

weiterlesen...

Neueste Artikel

Definitiv keine Daten: Schicksal des Wals bleibt unklar
Aus aller Welt

Sehnsüchtig hatten Walfans gewartet, doch ausgerechnet vom Aussetzen des Tiers gab es keine Aufnahmen und danach auch keine Ortsdaten. Was mit dem Wal geschah, wird wohl ungewiss bleiben.

weiterlesen...
Experten: Weltmeere könnten auf neue Wärmerekorde zusteuern
Aus aller Welt

In den Jahren 2023 und 2024 hatte die Oberflächentemperatur der Ozeane Extremwerte erreicht. Aktuell schießen die Werte erneut in die Höhe.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

VR Bank Westfalen-Lippe unterstützt Konzertförderung mit 5.000 Euro
Lokalnachrichten aus Lippstadt

Die VR Bank Westfalen-Lippe spendet 5.000 Euro an die GFF-Erwitte e.V. zur Förderung hochwertiger Konzerte.

weiterlesen...
Lippstädter Eugen Boger sammelt für mögliche Herztherapie
Lokalnachrichten aus Lippstadt

Eugen Boger aus Lippstadt ist schwer herzkrank. Für eine mögliche Therapie sammelt er Geld über eine Online-Kampagne.

weiterlesen...