12. August 2026 / Aus aller Welt

Sonnenfinsternis begeistert in Spanien und Deutschland

Ausgebuchte Hotels, Straßensperrungen und ein Hype um Balkone: Ein spektakuläres Naturschauspiel versetzt Spanien in den Ausnahmezustand. Auch in Deutschland blicken Millionen gebannt zum Himmel.

Das Naturereignis lockte Hunderttausende Besucher aus dem In- und Ausland an.
Veröffentlicht am 12. August 2026 um 22:35 Uhr von Emilio Rappold und Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Erst wurde es dämmrig, dann verschwand die Sonne vollständig hinter dem Mond. Und dann gab es sofort lauten Jubel, Luftsprünge, Applaus - und auch viele Freudentränen. Millionen Menschen verfolgten die erste totale Sonnenfinsternis über dem spanischen Festland seit mehr als einem Jahrhundert. Sie feierten lautstark auf Dorfplätzen, Berggipfeln, Stränden, Dachterrassen und eigens eingerichteten Beobachtungsplätzen. In Deutschland schlug eine partielle Sonnenfinsternis Millionen in ihren Bann.

Manche schrien vor Begeisterung, einige weinten, andere schwiegen ergriffen, lagen sich in den Armen oder hielten den historischen Moment am Abend mit ihren Handys fest, wie im spanischen Fernsehen live zu sehen war. Wie in Deutschland spielte auch das Wetter in Spanien mit. Nur in wenigen Regionen gab es leichte Bewölkung. 

«Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde. Es war wirklich eines der schönsten Erlebnisse, die ich je in meinem Leben hatte», sagte die junge Astronautin Sara García mit Tränen in den Augen dem staatlichen spanischen Fernsehsender RTVE. «Sehr kurz, aber unbeschreiblich schön», sagte eine Frau direkt nach dem Ende der totalen Sonnenfinsternis bei der Ebro-Sternwarte in dem Ort Roquetes in Katalonien.

Das außergewöhnliche Naturschauspiel hatte bereits vor Tagen eine beispiellose Reisewelle ausgelöst. Hunderttausende Menschen aus Spanien und dem Ausland machten sich auf den Weg in die rund 300 Kilometer breite Totalitätszone, die sich in Spanien von Galicien bis zu den Balearen erstreckte.

Hotels waren vielerorts seit Monaten ausgebucht, Privatleute vermieteten Balkone und Dachterrassen mit freier Sicht auf den Abendhimmel für mehrere Hundert Euro. Besonders profitierte die sogenannte «España vacia», das dünn besiedelte und von Landflucht geprägte ländliche «leere Spanien», das sonst nur selten im Mittelpunkt des internationalen Tourismus steht.

Größere Zwischenfälle blieben aus

Die totale Sonnenfinsternis hatte gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien begonnen. Der Kernschatten des Mondes war dann in einem Bogen an Grönland und Island entlanggezogen und auf Spanien getroffen. In A Coruña im äußersten Nordwesten Spaniens verschwand die Sonne um 20.27 Uhr und 41 Sekunden hinter dem Mond. Für eine Minute und 18 Sekunden wurde der Tag zur Nacht. Wenige Minuten später zog der Kernschatten über Kastilien und León, Aragón und Valencia bis zu den Balearen weiter. Je nach Standort dauerte die Totalität zwischen rund 30 Sekunden und knapp zwei Minuten.

Weil die Sonne am Abend bereits tief über dem Horizont stand, reichte es vielerorts nicht aus, einfach vor die Haustür zu gehen. Wer die totale Phase sehen wollte, musste freie Sicht nach Westen haben. Deshalb pilgerten Hunderttausende zu Stränden, Anhöhen und Aussichtspunkten, wo weder Gebäude noch Bäume den Blick versperrten. Regionen und Gemeinden hatten dafür Hunderte offizielle Beobachtungsplätze eingerichtet.

Größere Zwischenfälle wurden zunächst weder aus Spanien noch aus Deutschland bekannt. In Spanien kam es jedoch vielerorts zu Staus und Verkehrsbehinderungen. Die Behörden hatten im Vorfeld mit bis zu 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten gerechnet. 

Auf Mallorca sorgte der Andrang bereits am Morgen für erste Probleme. Rund um Sóller und an mehreren Aussichtspunkten der Serra de Tramuntana waren Parkplätze schon Stunden vor Beginn der Sonnenfinsternis belegt, einzelne Zufahrten wurden gesperrt. Viele Besucher mussten ihre Beobachtungsorte zu Fuß erreichen.

Auch das Wetter spielte mit 

Der Himmel über Spanien war zumeist klar, nur die große Hitze von teilweise fast 40 Grad machte einigen zu schaffen. In Deutschland, wo die Sonne zu rund 85 bis 90 Prozent durch den Mond verdeckt wurde, war der Himmel ebenfalls weitgehend wolkenlos. Großer Andrang herrschte zum Beispiel in München im Olympiapark. Hunderte Schaulustige kamen zum Feldberg in Hessen. In Berlin ist es rund um das Planetarium in Prenzlauer Berg zu Verkehrsbehinderungen gekommen. Die Polizei sprach von 3.000 Menschen. Über Dresden schwebten mindestens sechs Heißluftballons - auch deren Passagiere hatten beste Aussicht.

Schutzbrille in jedem Fall nötig

Ohne eine spezielle Sonnenfinsternis-Brille konnte ein Blick in die Sonne die Augen stark schädigen. Auch die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung seien keine Gründe, die Augen weniger gut zu schützen, betonte Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Im Vorfeld gab es einen Ansturm auf die speziellen Brillen in Geschäften.

Sternschnuppen als Zugabe

Zum Schauspiel der Sonnenfinsternis war noch eine Zugabe vorgesehen: Ein Sternschnuppenstrom. Die Perseiden sollten ausgerechnet in derselben Nacht ihren Höhepunkt erreichen, wobei Astronomen mit bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde rechneten. Die besten Beobachtungszeiten sollten die Stunden von 23.00 Uhr abends bis 4.00 Uhr morgens sein.

Die totale Sonnenfinsternis lockte Finsternis-Enthusiasten aus zahlreichen Ländern nach Spanien. RTVE zeigte in Soria rund 200 Kilometer nordöstlich von Madrid unter anderem eine 80-köpfige Reisegruppe aus Finnland. «Für uns alle ist es die erste totale Sonnenfinsternis», sagte Teilnehmer Ari. Ebenfalls nach Soria war eine dänische Gruppe von 140 Menschen gekommen. Sie hatte die Reise bereits vor zwei Jahren gebucht.

Auftakt einer außergewöhnlichen Serie

Die spanische Regierung hatte sich monatelang auf das Jahrhundertereignis vorbereitet. Zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen wurden kostenlos verteilt, mehr als 33.000 Beamte von Polizei und Guardia Civil waren im Rahmen eines nationalen Sicherheitsplans im Einsatz. Zugleich bereiteten die hohe Waldbrandgefahr und die Trockenheit den Einsatzkräften Sorgen.

Diese totale Sonnenfinsternis war zugleich der Auftakt einer außergewöhnlichen Serie astronomischer Ereignisse. Bis 2028 werden in Spanien insgesamt drei große Sonnenfinsternisse zu sehen sein - ein Umstand, den Astronomen als weltweit außergewöhnlich bezeichnen.

Auf ein weiteres Ereignis am Himmel muss man in Deutschland nur gut zwei Wochen warten: Am 28. August ist hierzulande eine partielle Mondfinsternis zu sehen. Dabei tritt der Mond nur teilweise in den Kernschatten der Erde ein und erscheint stellenweise verdunkelt. Die nächste partielle Sonnenfinsternis in Deutschland folgt am 2. August 2027.


Bildnachweis: © Bernat Armangue/AP/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

#FitFürKrisen: Mit guter Vorsorge stark im Stromausfall - Schon kleine Vorkehrungen helfen, die erste Zeit des Blackouts gut zu meistern
Kreis Soest

Grundsätzlich ist das Stromnetz in Deutschland sehr stabil. Dennoch ist ein länger anhaltender Stromausfall nicht...

weiterlesen...
Löckenhoff Lippstadt: „Alt gegen Neu" fürs Rad
Aus den Betrieben

Bei der Aktion „Alt gegen Neu" zahlt Löckenhoff in Lippstadt vom 29.08. bis 19.09. bis zu 1.500 € für dein altes Rad, wenn du ein neues kaufst.

weiterlesen...
Großbrände: Hürtgenwald unter Kontrolle, Monschau entspannt
Aus aller Welt

Zwei große Waldbrände in NRW sorgen für kräftezehrende Einsätze und massive Sorgen. Nun entspannt sich die Situation in Monschau an der belgischen Grenze und im nicht weit entfernten Hürtgenwald.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Solar-Zubau: Lippstadt war 2024 die Nummer 1 in NRW
Lokalnachrichten Lippstadt

Beim Solar-Zubau pro Kopf lag Lippstadt Ende 2024 auf Platz 1 aller NRW-Städte über 50.000 Einwohner. 4.170 Anlagen im Bestand.

weiterlesen...
Macht Schokolade glücklich? Süße Mythen auf dem Prüfstand
Aus aller Welt

Lässt sie Pickel entstehen? Ist die dunkle Variante gesund? Und werden aus Weihnachtsmännern noch Osterhasen? Ein Faktencheck verbreiteter süßer Mythen zum Tag der Schokolade.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Macht Schokolade glücklich? Süße Mythen auf dem Prüfstand
Aus aller Welt

Lässt sie Pickel entstehen? Ist die dunkle Variante gesund? Und werden aus Weihnachtsmännern noch Osterhasen? Ein Faktencheck verbreiteter süßer Mythen zum Tag der Schokolade.

weiterlesen...
Bummelaktion nach Unfall: Polens Fernzüge extrem verspätet
Aus aller Welt

Als Reaktion auf ein Zugunglück protestieren Polens Lokführer für mehr Sicherheit. Sie schleichen mit ihren Zügen über jeden Bahnübergang mit 20 km/h - und wollen so auf ein Problem aufmerksam machen.

weiterlesen...