Es ist ein Mediensturm, der über den beschaulichen Urlaubsort Praia da Luz in Portugal hereinbricht, als vor etwas mehr als 18 Jahren ein kleines britisches Mädchen vermisst gemeldet wird. Die damals dreijährige Madeleine McCann - in Medien meist Maddie genannt - verschwindet aus ihrem Bett in einer Ferienanlage, während die Eltern beim Abendessen in einem nahen Restaurant sitzen. Nicht lange danach wird der kleine Ort von Journalisten überrannt. Es ist Madeleines Vater Gerry, ein Mediziner aus Schottland, der damals eine professionelle PR-Maschinerie in Gang setzt. Er will verhindern, dass seine Tochter aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet. Und die britischen Boulevardmedien stürzen sich auf den Fall. Bald löst er auch weltweit Interesse aus, wie wohl nie ein Vermisstenfall zuvor. Zum 18. Jahrestag von Madeleines Verschwinden am 3. Mai schreiben die McCanns auf ihrer Webseite: «Unsere Entschlossenheit, kein Stein auf dem anderen zu lassen, ist unerschütterlich.» Von Madeleine, die inzwischen 22 Jahre alt wäre, fehlt bislang jede Spur. Doch derzeit ist das Thema wieder in den Schlagzeilen. Hintergrund ist eine Suchaktion deutscher Behörden in Portugal, die auch am Mittwoch fortgesetzt wurde. In dem circa 50 Hektar großen abgesperrten Suchgebiet nahe Praia da Luz seien wieder portugiesische und deutsche Beamte im Einsatz, berichteten die Zeitung «Correio da Manhã» und der TV-Sender «SIC Notícias». Die portugiesische Kriminalpolizei bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur die Wiederaufnahme der Arbeiten. Zum bisherigen Verlauf der Suche gab es vorerst allerdings keine offizielle Mitteilung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig wird die Maßnahme voraussichtlich am Donnerstag enden. Laut «Correio da Manhã» wurden mehrere verlassene Häuser sowie Wasserbrunnen und Zisternen in Augenschein genommen. An der Suchaktion nehmen unter anderem Taucher und Feuerwehrmänner teil. Eingesetzt werden auch Bodenradare und Spürhunde. Auch seien einige Ausgrabungen durchgeführt worden. Etwas Relevantes sei aber nicht entdeckt worden, versicherte das gewöhnlich zuverlässige Blatt. Die Suche steht im Zusammenhang mit dem mehrfach verurteilten deutschen Sexualstraftäter Christian B., der in dem Fall seit einigen Jahren als Verdächtiger gilt. Er sitzt aktuell wegen eines anderen Falls in einem deutschen Gefängnis. Bei der portugiesischen Polizei soll der Medienrummel im Fall Maddie von Anfang an für Befremden und Misstrauen gesorgt haben. Verstärkt wird das damals umso mehr, als die britischen Zeitungen mit angelsächsischem Überlegenheitsgefühl über die angeblich dilettantischen Ermittler aus dem südeuropäischen Land berichten. Zwischenzeitlich stehen Mutter Kate und Vater Gerry McCann selbst unter Verdacht. Für eine Weile halten die Ermittler es für möglich, dass das Kind bei einem Unfall gestorben sein könnte und die Eltern die Leiche verschwinden ließen - und die Medientrommel als Ablenkungsmanöver nutzen. Spekuliert wird auch, ob die mediale Aufmerksamkeit den Druck auf einen möglichen Entführer erhöht haben könnte, das Mädchen zu töten, um einer Entdeckung zu entgehen. Dabei werden die McCanns im Laufe der Zeit selbst zum Opfer der Sensationsgier des britischen Boulevards. Die Story über Maddie fällt in eine Zeit, als die britischen Medien zügelloser denn je sind. Britische Journalisten hören Telefone ab, um an Informationen über Prominente und Verbrechensopfer zu kommen. Nichts gilt als heilig. Die inzwischen eingestellte Wochenzeitung «News of the World» veröffentlicht Tagebucheinträge von Kate McCann aus der Zeit der Entführung ohne deren Zustimmung - und muss sich später öffentlich dafür entschuldigen. Mehr als eine Million Pfund an Schmerzensgeld und Entschädigungszahlungen an die McCanns und ihre Freunde fließen in eine Stiftung, die das Paar gründet. Mit deren Hilfe wollen sie die Suche nach ihrer Tochter finanzieren. Sie lassen nichts unversucht: Privatdetektive, Besuch beim damaligen Papst Benedikt, ein Gespräch mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey - alle Hebel werden in Bewegung gesetzt, um auf das Schicksal ihrer Tochter aufmerksam zu machen. Lange Zeit sieht es so aus, als seien die McCanns mit dieser Strategie gescheitert. Doch sollte sich der Verdacht der Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen Christian B. erhärten, könnte sich diese Bewertung dramatisch ändern. Auch wenn das ihre noch immer nicht aufgegebene Hoffnung, ihre Tochter lebend zu finden, zerstören dürfte. Anders als die britischen Ermittler geht die deutsche Staatsanwaltschaft fest davon aus, dass Madeleine tot ist. Die internationale Organisation zur Polizeizusammenarbeit, Interpol, listet auf ihrer Webseite 10.614 offene Vermisstenfälle. Darunter sind viele Kinder, teils sogar Babys. Allein die britische Polizei führt in ihrem jüngsten Bericht knapp 1.500 langfristig vermisste Minderjährige.Bericht: Bisher nichts Relevantes entdeckt
Schadete der Medienrummel den Ermittlungen?
Tagebucheinträge ohne Zustimmung veröffentlicht
Sind die McCanns mit ihrer Strategie gescheitert?
Bildnachweis: © Sven Kaestner/AP/dpa
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Wie der Vermisstenfall Maddie zum Mediensturm wurde
Der Fall Madeleine McCann ist unauflöslich mit der britischen Boulevardpresse verknüpft. Ob die mediale Aufmerksamkeit hilfreich oder schädlich war, ist so ungewiss wie das Schicksal des Mädchens.
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