Eine Stadt zwischen Hoffen und Bangen: Nach dem dramatischen Hauseinsturz im sächsischen Görlitz am frühen Montagabend ging die Suche nach den drei Vermissten weiter - ohne Erfolg. Seit den Morgenstunden waren Feuerwehr und Technisches Hilfswerk erneut unter schwierigen Bedingungen im Dauereinsatz. «Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Wir geben unser Menschenmögliches», sagte ein Polizeisprecher am Mittwochabend der dpa. An der Unglücksstelle wurde es zeitweise sehr still. Anja Weigel, Leiterin der Berufsfeuerwehr Görlitz, sagte dazu am Abend: Es seien Hohlräume freigelegt worden, diese würden gerade von Kameraden des THW per Ortung untersucht - mit Sonden. «Es wird geschaut, sind irgendwo Klopfgeräusche? Kann man jemanden rufen hören, hört man vielleicht Atemgeräusche? Dazu brauchen wir absolute Stille an der Einsatzstelle.» «Wir haben in den Trümmerkegel mit Megafon herein gesprochen, dass Reaktionen gezeigt werden sollen», sagte eine THW-Sprecherin. Zwei Teams hätten unabhängig voneinander versucht, auf diese Weise Ergebnisse zu erzielen. Leider hätten die aktuellen Messungen mit Ortungsgeräten nichts ergeben - daher würden die Sucharbeiten fortgesetzt. Am Abend begann es derweil in Görlitz zu regnen. Allen Beteiligten ist klar: Es ist ein Wettrennen gegen die Zeit. Die Einsatzkräfte gehen davon aus, dass Verschüttete bis zu 72 Stunden unter solchen Trümmern überleben könnten. Prognosen, wie wahrscheinlich es sei, die Vermissten bald zu finden, seien nicht möglich, sagte eine Sprecherin der Polizei in Görlitz. Das Haus war am Montag gegen 17.30 Uhr eingestürzt. Im Laufe des Tages gingen die Arbeiten an der Unglücksstelle nach Einschätzung der Feuerwehr gut voran. Dabei mussten nicht zuletzt Trümmerteile des einstigen Gründerzeithauses abgetragen werden - buchstäblich mit der Hand oder mit schwerem Gerät. Beim Bergen der Trümmer waren mehrere Radlader, Bagger und Kräne im Einsatz. «Grundsätzlich gehen wir immer davon aus, dass – so lange, wie wir das Gegenteil nicht bewiesen haben – dass es noch Überlebende gibt», sagte die Leiterin der Feuerwehr Görlitz, Anja Weigel. «Die Chancen sinken natürlich mit jeder Stunde.» Sie betonte aber auch: «Aber wenn wir Glück haben, ist vielleicht eine Person in einem Hohlraum eingeschlossen. Vielleicht gibt's ja ein Wunder.» Bei den Vermissten handelt es sich um zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und einen 48 Jahre alten Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte. Die Arbeit an dem eingestürzten Haus war für die Einsatzkräfte schon körperlich eine große Belastung. Hinzu kam der Staub in den Trümmern, wie der Sprecher der Einsatzleitung des Technischen Hilfswerks (THW), Daniel Hofmann, sagte. «Wir haben ein Acht-Stunden-Schichtsystem, sodass wir permanent mindestens zwei Bergungsgruppen am Arbeiten haben, die acht Stunden arbeiten, dann abgelöst werden, in Ruhe gehen, 16 Stunden, dann wiederkommen», erklärte Hofmann. «Das ist natürlich auch mental belastend.» Von dem Haus sei nicht mehr viel zu erkennen. «Die Trümmer stapeln sich ungefähr bis zur zweiten Etage. Und es ist tatsächlich ein Schutthaufen, wie man ihn sich vorstellt auf einem großen Abriss», sagte der THW-Sprecher. «Es ist damit vergleichbar, der Geruch ist vergleichbar.» Uwe Olschok vom Technischen Hilfswerk in Bautzen sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei tatsächlich kein Alltagseinsatz gewesen - auch wegen der Möglichkeit, dass die Vermissten nicht lebendig gefunden werden. «Wir sind natürlich auf vorbereitet auf solche Einsätze. Man spricht im Vorfeld darüber.» Aber es nehme einen mit, wenn es Tote zu beklagen gebe. In Sichtweite des Unglücksortes stand ein Zelt, in das sich Angehörige zurückziehen konnten. Dort war auch ein Team aus drei Seelsorgern ansprechbar. Für die Angehörigen gebe es die Möglichkeit, auch woanders zu schlafen, sagte der Leiter der Notfallseelsorge des Landkreises Görlitz, Frank Hirschmann. «Aber sie wollen da sein und sehen, was geschieht. Und das kann man auch verstehen.» Für sie sei das Warten und die damit verbundene Unsicherheit fast zum Zerreißen. Einer der Angehörigen war ein Mann, dessen Verlobte und dessen Cousine in dem Haus waren, als es einstürzte. Die drei wollten in Görlitz Urlaub machen. Das Unglück geschah, als er beim Einkaufen war, wie er erzählte. Er ist geblieben in der Hoffnung, dass sie gerettet werden. Immer wieder waren auf der Straße auch Anwohner zu sehen - zum Teil mit großen Taschen oder sogar mit Koffern. Sie kamen aus den Nachbargebäuden, um ihre wichtigsten Habseligkeiten abzuholen. «Man ist ja nur indirekt betroffen», sagte Christoph Wittig, einer von ihnen. «Aber es ist ja trotzdem ein Riesenschreck.» Sie könnten bei Freunden übernachten, erzählte er. Trotz allem gehe der Alltag weiter. Deswegen wolle er Schulsachen und sein Fahrrad abholen. «Der Knall war enorm», berichtete er von dem Unglück. Das Haus habe gewackelt. «Da wir gut versorgt sind und emotional aufgefangen, ist das jetzt ertragbar.» Für die Einsatzkräfte geht die Arbeit weiter, bis sicher ist, wie es um die Vermissten steht. In den Trümmern gibt es Hohlräume, in denen Menschen überleben könnten. Wenn sie entdeckt werden, konzentriert sich die Suche auf solche Stellen. Mitarbeiter des THW nehmen sie mit Hilfe spezieller Kameras unter die Lupe - bislang allerdings ohne Ergebnis.Wettrennen gegen die Zeit
Die Chancen sinken mit jeder Stunde
Das Haus gleicht einem Schutthaufen
Die Suche geht weiter
Bildnachweis: © Paul Glaser/dpa
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Hauseinsturz in Görlitz: «Wir geben unser Menschenmögliches»
Einsatz zwischen Staub und Trümmern: In Görlitz kämpfen Retter mit bloßen Händen und mit schwerem Gerät gegen die Zeit. Gibt es noch eine Chance für die drei Vermissten?
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