8. März 2026 / Aus aller Welt

Muss nicht perfekt sein - Streamerin ist «Miss Germany»

Unternehmerinnen, eine Wissenschaftlerin und eine Bundeswehroffizierin wollten «Miss Germany» werden. Am Ende setzt sich eine Kandidatin durch, die eine ganz andere Domäne erobert hat.

Die neue «Miss Germany» konnte es kaum fassen.
Veröffentlicht am 8. März 2026 um 12:08 Uhr von Britta Schultejans, dpa

Es hätte viele Möglichkeiten gegeben, aus der Wahl der «Miss Germany» eine ganz explizit politische zu machen. Wenn die Bundeswehroffizierin Aileen Tina Hufschmidt gewonnen hätte zum Beispiel - in Zeiten von Fragen nach der Bedeutung des Militärs zur Verteidigung demokratischer Werte - oder wenn mit Büsra Sayed oder Amina Ben Bouzid eine Unternehmerin Siegerin geworden wäre, die Kopftuch trägt und dafür angefeindet wird. 

Beim Finale des Wettbewerbs in den Bavaria Studios bei München aber gewinnt nach dem Publikums-Voting eine Frau, die eine ganz andere Domäne erobert hat als die Bundeswehr: Die 26 Jahre alte Rose Mondy ist Streamerin und zeigt sich auf der Plattform «Twitch» beispielsweise beim «Zocken», beim Spielen von Videogames wie «Minecraft» oder «Fortnite». 

Auch wenn das eine Branche ist, in der inzwischen viele Frauen erfolgreich sind, gilt Mondy bei der Verleihung als «Female Mover», als eine Frau, die eine Männerdomäne aufmischt. Wie Jury-Mitglied und Schauspielerin Collien Fernandes (44, «Das Traumschiff») sagt: Auch Millionen Frauen zocken.

Eine «Wundertüte» wird Mondy von der Jury genannt. Eine Frau, die den Verantwortlichen für das Finale und die zugehörige Serie «Road to Miss Germany» auf Sixx und Joyn das eine oder andere graue Haar beschert habe. Aber dann irgendwann sei sie aus sich herausgekommen - und über sich hinausgewachsen. 

2025 war Mondy, die als Kind syrischer Eltern in jungen Jahren nach Deutschland kam und heute Hunderttausende Follower in den sozialen Medien hat, bereits als Streamerin des Jahres ausgezeichnet worden. Nachdem die Corona-Krise ihrem Kosmetikstudio ziemlich zugesetzt hatte, verlagerte die junge Frau ihre Arbeit ins Internet. 

Dabei nutzt sie ihren Stream auch dafür, sehr offen über ihre Sprachprobleme zu sprechen und über Alltagsrassismus, den sie als Kind syrischer Eltern in Deutschland erlebt. Ihre Wahl ist also politischer, als sie auf den ersten Blick aussieht. «Ich zeige, dass man nicht perfekt sein muss, um Erfolg zu haben», sagt sie nach ihrem nicht nur von ihr, sondern auch von den Konkurrentinnen und dem Produktionsteam emotional und mit Tränen in den Augen gefeierten Sieg der Deutschen Presse-Agentur. 

«Ich bin überwältigt und unglaublich dankbar. Mir ist wichtig zu zeigen, dass es egal ist, woher du kommst oder welche Herausforderungen du erlebt hast. Deine Geschichte hat Wert. Wenn mein Werdegang anderen Menschen Mut macht, an sich zu glauben und ihren eigenen Weg zu gehen, dann hat all das einen Sinn.»

Insgesamt hatten sich 2.600 Frauen für den Titel der Miss Germany beworben, wie der Veranstalter, die Miss Germany Studios, mitteilte. Neun Frauen schafften es ins Finale, wo sie in jeweils drei Kategorien gegeneinander antraten. Rose Mondy gewann zunächst in der Kategorie «Female Mover», in der Frauen ausgezeichnet wurde, die sich in Männerdomänen behaupten. 

Unter den Top-Drei, die sich in ihren jeweiligen Kategorien «Female Founder», «Female Leader» und «Female Mover» in der Jurybewertung durchgesetzt hatten, standen neben der Streamerin noch die 36-jährige Anne Bäumler (36) aus dem hessischen Assenheim, die bei einer Drogeriekette ein Team von mehr als 800 Mitarbeitenden führt, und die 31 Jahre alte Biologin Amelie Reigl aus Würzburg, die menschliche Haut im Labor züchtet, um Tierversuche zu reduzieren. 

Gesucht: Dax-Vorständinnen statt Beauty-Influencerinnen

Lange als Schönheitswettbewerb bekannt, will sich die Verleihung, die im kommenden Jahr 100 Jahre alt wird, inzwischen als Auszeichnung für Frauen verstanden wissen, «die Zukunft gestalten, entwickeln» und in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. 

Man suche «nicht nach den nächsten Beauty-Influencerinnen, sondern nach zukünftigen Dax-Vorständinnen und erfolgreichen Gründerinnen», teilte der Veranstalter mit.

Rose Mondy löst nun die Ärztin Valentina Busik als «Miss Germany» ab, die mit Künstlicher Intelligenz arbeitet und die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem voranbringen will. Sie hat einen Avatar entwickelt, der Tag und Nacht für jeden verständlich auf 40 Sprachen und Gebärdensprache medizinischen Fachjargon übersetzen soll.


Bildnachweis: © Felix Hörhager/dpa
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