Bei den berühmten Osterprozessionen in Spanien säumen dieser Tage wieder Millionen Menschen die Straßen. Ebenso viele verfolgen die prachtvollen und zugleich mysteriösen Umzüge am heimischen Fernseher. Die Veranstaltungen versetzen das Land auch dieses Jahr wieder in einen regelrechten Ausnahmezustand. Die Umzüge in Sevilla, vor allem die in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, gehören zu den größten und weltweit bekanntesten. Schon am Palmsonntag fanden zum Start der Karwoche Umzüge in Palma de Mallorca und vielen anderen Städten des Landes statt. Am Montag und in der Nacht auf Dienstag standen zum Beispiel allein im andalusischen Málaga sechs Prozessionen auf dem Programm. Die «Semana Santa» (Heilige Woche), wie die Karwoche in Spanien genannt wird, ist in dem katholischen Land wichtiger als Weihnachten. Vor allem im Süden, in Städten wie Sevilla, Málaga oder Granada, sind die Prozessionen nicht nur Ausdruck tiefer Religiosität, sondern auch ein opulentes buntes Volksfest. Die Menschen in Andalusien lieben das Dramatische und Sinnliche. Die Umzüge muten deshalb fast wie religiöse Theateraufführungen mit Licht, Weihrauch und Klageliedern an. Teils tonnenschwere große Christus- und Marienfiguren werden dabei durch die Straßen getragen. Die Mitglieder frommer Bruderschaften tragen Büßergewänder und verhüllen sich mit spitzen Kapuzen. Ihre Gesichter sind oft bis auf zwei Augenschlitze komplett bedeckt, sie wirken unheimlich, geheimnisvoll, ja beinahe etwas angsteinflößend. Doch auch das ist ein Aspekt, der den Reiz ausmacht. Die Osterprozessionen haben ihren Ursprung zwar im Mittelalter. Im 16. Jahrhundert wurden sie aber auch angesichts der von Martin Luther angestoßenen Reformation bewusst immer prächtiger ausgestaltet. Als Antwort auf die vom Protestantismus betonte innere Frömmigkeit und die Kritik am Prunk der katholischen Kirche sollten die Umzüge die Glaubensbotschaft sichtbar und sinnlich erfahrbar machen und so die Bindung der Menschen an die katholische Kirche festigen.Geheimnisvolles, beinahe angsteinflößendes Ambiente
Bildnachweis: © Clara Margais/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Warum vor Ostern so viele Spanier auf den Straßen sind
In der Karwoche ziehen wieder Zehntausende bei den berühmten Oster-Prozessionen durch Spaniens Städte und Dörfer. Auch ein Reformator aus deutschen Landen hat dazu beigetragen.
Meistgelesene Artikel
Ein Funk-Ausfall legt Züge lahm, die Deutsche Bahn sucht nach Antworten – und Fahrgäste nach Informationen. Was passiert ist und was noch ungeklärt bleibt.
Für nur wenige Euro soll ein Mann ein Kind über Jahre sexuell ausgebeutet haben. Vor Gericht zeigt sich die Dimension dieses internationalen Verbrechens.
- 29. Juni 2026
Strömung reißt drei Menschen in Österreich in den Tod
Ein Badeausflug endet für Vater, Sohn und einen Bekannten tragisch. Das Trio hat offenbar die tödliche Kraft einer Wasserwalze unterschätzt. Der Rettungsversuch eines Augenzeugen scheiterte.
Neueste Artikel
- 16. Juli 2026
Ölteppich auf Mosel - 124 Schiffspassagiere sitzen fest
Ein technischer Defekt eines Passagierschiffs sorgt für einen Ölteppich auf der Mosel. Die Menschen an Bord müssen vorerst an der Schleuse bleiben. Was bislang bekannt ist.
- 16. Juli 2026
Deutlich mehr E-Scooter-Unfälle und mehr Tote
Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Verletzten oder Toten ist laut Statistik im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die meisten Todesopfer sind demnach selbst gefahren.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 16. Juli 2026
Ölteppich auf Mosel - 124 Schiffspassagiere sitzen fest
Ein technischer Defekt eines Passagierschiffs sorgt für einen Ölteppich auf der Mosel. Die Menschen an Bord müssen vorerst an der Schleuse bleiben. Was bislang bekannt ist.
- 16. Juli 2026
Deutlich mehr E-Scooter-Unfälle und mehr Tote
Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Verletzten oder Toten ist laut Statistik im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die meisten Todesopfer sind demnach selbst gefahren.

