21. Mai 2026 / Aus aller Welt

Umfrage: Mehrheit checkt stündlich das Handy

Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich, öfter offline zu sein. Eine neue Umfrage zu digitalem Stress zeigt auch Gründe auf, warum das aber schwerfallen kann.

Ständig wandern der Blick und die Hand zum Smartphone: Gerade jüngeren Menschen geht es einer Umfrage der IU Internationalen Hochschule in Erfurt zufolge häufig so. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 21. Mai 2026 um 04:00 Uhr von dpa

Immer das Smartphone im Blick, Feeds checken und auf jede Nachricht reagieren: Viele Menschen in Deutschland befinden sich einer repräsentativen Umfrage der IU Internationalen Hochschule in Erfurt zufolge in digitaler Dauerbereitschaft. 81 Prozent der Befragten schaut demnach mindestens einmal pro Stunde auf Smartphone, Tablet und Co. – auch wenn sie keine Benachrichtigung erhalten. 

Bei jungen Menschen sei der Anteil sogar noch größer: 90,6 Prozent der 16- bis 30-Jährigen schauen den Ergebnissen zufolge mindestens einmal pro Stunde auf ihre digitalen Endgeräte. Rund die Hälfte (48,6 Prozent) der Befragten dieser Altersgruppe gab zudem an, Angst zu haben, etwas zu verpassen, wenn sie offline sind. Umgangssprachlich ist dann auch von «fomo» die Rede, eine Abkürzung für das englische «fear of missing out».

Der Druck, gleich zu antworten

Mehr als die Hälfte der Befragten aller Altersgruppen (56,2 Prozent) stimmte der Aussage zu, das Gefühl zu haben, dass ihr Umfeld zeitnahe Antworten von ihnen auf digitale Nachrichten erwarte. Daneben gaben 32,9 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, sich verpflichtet zu fühlen, auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein. 

Für die Umfrage «Always-on: Digitaler Stress in Deutschland» wurden 2.000 Personen in Deutschland im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt, repräsentativ nach Alter und Geschlecht. Die Befragung wurde im Zeitraum vom 13.01. bis 19.01.2026 durchgeführt.

Der Wunsch, weniger online zu sein

«Wir alle kennen die Lesebestätigungen bei Nachrichten – und die Erwartung dahinter: Wann kommt die Antwort? Viele Menschen verspüren deshalb nicht nur den Druck, erreichbar sein zu müssen, sondern auch rasch zu reagieren», erklärte Stefanie André, Professorin für Gesundheitsmanagement an der IU. Die Umfragergebnisse zeigten auch, dass im familiären Kontext dieser Erwartungsdruck besonders hoch sei, vor allem bei Frauen. Diese würden in vielen Haushalten nach wie vor einen großen Teil der Alltagsorganisation tragen, so André.

Dabei gab insgesamt mehr als jeder zweite Befragte (56 Prozent) an, gern häufiger offline sein zu wollen. Das Auseinandergehen von Wunsch und Realität beim Offline-Sein ordnet Timo Kortsch, Professor für Wirtschaftspsychologie an der IU so ein: «Das spricht nicht für fehlendes Wissen, sondern für einen starken äußeren Erwartungsdruck: soziale Normen, berufliche Erreichbarkeit und die Angst, etwas zu verpassen.»

Der Blick, der häufig ablenkt

Die Umfrageergebnisse legen zudem nah, dass der Druck, ständig digital erreichbar zu sein, die Konzentration beeinflusst: 37,2 Prozent gaben an, schnell den Faden zu verlieren, wenn sie durch digitale Nachrichten unterbrochen werden. 44,3 Prozent stimmten der Aussage zu, sich von der Menge an digitalen Informationen überfordert zu fühlen.

Um gegen den digitalen Stress vorzugehen, nannten die Befragten am häufigsten Push-Benachrichtigungen auszuschalten (38,4 Prozent), den «Nicht-stören»-Modus zu aktivieren (29,5 Prozent) und sich etwa beim Sport ganz ohne digitale Geräte zu bewegen (28,7 Prozent).


Bildnachweis: © Andreas Arnold/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Ähnelte KZ-Kleidung: Zara zieht Kostüm zurück
Aus aller Welt

Zara nimmt ein Halloween-Kostüm aus dem Sortiment. Die Modekette reagiert auf Kritik, das Design erinnere an KZ-Häftlingskleidung aus der NS-Zeit.

weiterlesen...
Neue Bauordnung NRW: Was Bauherren in Lippstadt jetzt wissen müssen
Politik & Rathaus

Seit dem 1. September gilt in NRW eine neue Bauordnung: kürzere Fristen, Bauantrag nur noch digital, Dachausbau oft ohne Genehmigung.

weiterlesen...
Lippstädter Moonlight Shopping im Herbst 2026
Lokalnachrichten Lippstadt

Moonlight Shopping am 9.10. bis 22 Uhr: shoppen und Wein verkosten in der Lippstädter Innenstadt, dazu das Jubiläumsglas „100 Jahre Herbstwoche".

weiterlesen...

Neueste Artikel

Lungenpest-Verdacht: Trump will mit Putin telefonieren
Aus aller Welt

Starb eine junge Wissenschaftlerin in Sibirien an Lungenpest? Der undurchsichtige Fall sorgt weltweit für Aufmerksamkeit. Trump will deshalb sogar mit Putin telefonieren.

weiterlesen...
Gegen Kurzsichtigkeit helfen weder Training noch Karotten
Aus aller Welt

Kurzsichtigkeit lässt sich nicht rückgängig machen. Der Faktencheck zeigt: Übungen, bestimmte Lebensmittel oder Sonnenlicht ersetzen keine Brille.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Lungenpest-Verdacht: Trump will mit Putin telefonieren
Aus aller Welt

Starb eine junge Wissenschaftlerin in Sibirien an Lungenpest? Der undurchsichtige Fall sorgt weltweit für Aufmerksamkeit. Trump will deshalb sogar mit Putin telefonieren.

weiterlesen...
Gegen Kurzsichtigkeit helfen weder Training noch Karotten
Aus aller Welt

Kurzsichtigkeit lässt sich nicht rückgängig machen. Der Faktencheck zeigt: Übungen, bestimmte Lebensmittel oder Sonnenlicht ersetzen keine Brille.

weiterlesen...