7. April 2026 / Aus aller Welt

Tödlicher Winter: Mindestens 135 Tote durch Lawinen

In vielen europäischen Skigebieten ist die Saison nach dem Osterwochenende vorbei. Die Lawinenwarndienste ziehen eine düstere Bilanz. Experten meinen, dass das auch mit dem Klimawandel zu tun hat.

Immer wieder mussten diesen Winter Rettungsdienste ausrücken.
Veröffentlicht am 7. April 2026 um 09:08 Uhr von Christoph Sator, dpa

In Europa sind in diesem Winter so viele Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr. Nach einer offiziellen Statistik starben in den Alpen und in anderen europäischen Gebirgen seit Anfang Oktober mindestens 135 Menschen, weil sie unter Schneemassen verschüttet waren. Traditionell hört in vielen europäischen Skigebieten die Saison an Ostern auf. Auch am Wochenende gab es noch einmal einige Unglücke.

Besonders hart betroffen war in diesem Winter Italien, wo insgesamt 38 Lawinentote gezählt wurden - vor allem in Südtirol, das auch bei deutschen Alpinsportlern sehr beliebt ist. Dort ereignete sich auch das schlimmste Unglück: Beim Aufstieg zur 3.545 Meter hohen Vertainspitze im Ortler-Gebirge wurden Anfang November fünf Bergsteiger von Schneemassen mitgerissen und getötet. Alle fünf kamen aus Bayern. 

Fast doppelt so viele Tote wie im Winter 2024/25

Zum Vergleich: Im vorigen Winter 2024/25 gab es in Europa insgesamt 70 Lawinentote. Diese Saison waren es also fast doppelt so viele. Zuletzt wurden 2017/18 noch mehr Todesopfer gezählt: insgesamt 147. Die Statistik stammt vom European Avalanche Warning Service (EAWS), einem Zusammenschluss der nationalen Lawinenwarndienste verschiedener Länder. 

Den EAWS-Zahlen zufolge starben in Frankreich im Lauf der vergangenen Monate 31 Menschen durch Lawinen, in Österreich 30 und in der Schweiz 15. In Deutschlands Gebirgen gab es diesen Zahlen zufolge keine Todesopfer. Berücksichtigt wurden auch Unglücke, die sich außerhalb der Alpen ereigneten: zum Beispiel im Apennin in Italien oder weiter östlich in Europa in den Karpaten.

Über die Osterfeiertage ereigneten sich jedoch in einigen Gegenden weitere Unglücke. In der Schweiz stieg die Zahl der Lawinentoten nach Angaben des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) deswegen im Vergleich zu den EAWS-Daten (Stand: 26. Februar) auf 18. In Norwegen kamen am Ostermontag in Hemsedal zwei Menschen durch eine Lawine ums Leben.

Auch in Italien meldeten die Behörden über Ostern ein Unglück. So wurde an der 3.059 Meter hohen Grabspitze in Südtirol ein 37 Jahre alter Tourengeher erfasst. Der Mann war eineinhalb Meter tief unter Schnee begraben. Dank seines Ortungssenders wurde er verhältnismäßig schnell nach oben gebracht. Trotzdem musste er in kritischem Zustand ins Krankenhaus geflogen werden.

Experten vermuten Klimawandel als einen der Gründe

Als einer der Gründe für die höhere Zahl an Todesopfern wird von Experten der Klimawandel genannt. Demnach verändern sich die traditionellen saisonalen Rhythmen durch höhere Temperaturen, weshalb der Schnee nicht mehr so fest ist. Zudem verbinden sich Altschnee und Neuschnee nicht mehr so gut. Außerdem gebe es stärkere Winde, so dass sich oft gefährlicher Treibschnee ansammelt, heißt es. 

Hinzu kommt, dass Skitouren und Abfahrten außerhalb der präparierten Pisten seit einiger Zeit beliebter werden. Unter den Lawinentoten dieses Jahres waren ungewöhnlich viele Tourengeher. Insbesondere an Steilhängen in hochalpinem Gelände mahnen die Lawinenwarndienste zu großer Vorsicht.

Auch an Ostern noch einmal mehrere Unglücke

In den meisten europäischen Skigebieten ist die Saison nach dem Osterwochenende vorbei. In höheren Lagen und auf Gletschern ist Skifahren oft aber noch bis Anfang Mai möglich. Einige Gletschergebiete ermöglichen Abfahrten auch im Sommer.

Dringend empfohlen wird von Bergwacht, Alpenvereinen und anderen Experten, bei Touren in hochalpinem Gelände Schaufel, Sonde und ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) mit sich zu führen. Dies kann lebensrettend sein: Wenn eine Lawine zum Stillstand kommt, sind fast alle Verschütteten noch am Leben. Alles Weitere hängt dann davon ab, wie schnell man gefunden wird: Nach 15 Minuten werden 90 Prozent noch lebend gerettet. Danach nimmt die Zahl rapide ab.


Bildnachweis: © -/Italienische Bergwacht/dpa
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