Deutschland ist um einen durchaus ungewöhnlichen Wettbewerb reicher. Im niedersächsischen Bad Pyrmont haben Menschen Bäume umarmt. Nicht einfach so: Es galt einen Titel zu gewinnen. Gesucht wurde Deutschlands bester Baum-Umarmer. Dass das etwas merkwürdig aussehe, müsse man ausblenden, meint eine Ideengeberin aus Finnland. In Bad Pyrmont gab es mehrere Disziplinen zu absolvieren: Wer umarmt am schnellsten eine festgelegte Anzahl an Bäumen? Für Punkte in der Kategorie Kreativität und Innigkeit galt es, einen Baum «möglichst künstlerisch oder herzlich zu umarmen». Beim Baumwissen mussten Schätzfragen beantwortet werden. «Wir müssen das jetzt erst mal realisieren. Wir sind überglücklich», sagt Julian Schnabel für das Siegerteam in der Mannschaftswertung. Er sei sicher, dass das Bäume-Umarmen noch ganz groß werde in Deutschland. «Es ist klar der Trend hin zur Natur», sagt der Titelträger. «Da sind wir jetzt Vorreiter». «Ich glaube, dass das Baum-Umarmen glücklich macht», sagt Nicole Lödige vom Organisationsteam über ihre Motivation, diesen Wettbewerb nach Deutschland zu holen. Denn neu ist die Idee ihr zufolge nicht. Sie stamme aus Finnland. Als sie von der Meisterschaft dort gehört habe, sei das Ziel einer nationalen Meisterschaft für Deutschland klar gewesen. «Ich finde es wunderbar», sagt die aus Finnland angereiste Riitta Raekallio-Wunderink. Sie habe nicht mit der Ausbreitung nach England, in die USA und nun auch nach Deutschland gerechnet, als sie 2022 in Lappland mit dem Baum-Umarmen begonnen hätten. Finnland ist bekannt für ungewöhnliche Wettbewerbe wie die Luftgitarren-Weltmeisterschaft oder die Sauna-Weltmeisterschaft. Als guter Baum-Umarmer müsse man neben Kreativität vor allem das Gefühl für den Moment zeigen. Das Gewinnerteam habe das hervorragend gemacht, sagt Raekallio-Wunderink, die nach eigenen Angaben auch als Vertreterin der «World Tree Hugging Association» nach Bad Pyrmont kam. Die Siegermannschaft hat ihr zufolge sehr gut ausgeblendet, dass es manchmal ein wenig dumm aussieht, was man da tut. Vom Auftakt in Deutschland sind die Veranstalter selbst überzeugt. Bei der ersten derartigen Meisterschaft hierzulande traten nach ihren Angaben mehr als 100 Baum-Umarmerinnen und -Umarmer an. Mehrere Hundert Menschen verfolgten demnach das Event im Kurpark. Für Teilnehmerin Karin Bleischwitz ist schon jetzt klar: Am 22. Mai 2027 ist sie wieder dabei. Das Orga-Team geht zumindest davon aus, dass Bad Pyrmont Austragungsort bleibt. «Wir möchten die Menschen wieder mehr in Natur bekommen, weg vom Handy», beschreibt Nicole Lödige vom Orga-Team die Zielsetzung. Außerdem solle die Wertschätzung gegenüber der Natur gefördert werden. Erst dieser Tage kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass der Aufenthalt in der Natur über ein positives Körpergefühl für eine höhere Zufriedenheit mit dem eigenen Leben sorge. Befragt wurden mehr als 50.000 Menschen in 58 Ländern. Die Natur wirke dabei nicht so stark direkt auf die Lebenszufriedenheit, sondern über Umwege: Der Kontakt mit der Natur trage unter anderem zu einer höheren wahrgenommenen Erholung bei, schreibt das Team im Journal «Environment International».Gewinner: Trend geht klar zur Natur
Finnen mal wieder die Ideengeber
Premiere in Niedersachsen überzeugt
Studie: Naturaufenthalt wirkt sich positiv aus
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Titelträger im Baum-Umarmen: «Da sind wir jetzt Vorreiter»
Komische Wettbewerbe aus Finnland haben schon mehrfach Menschen in Deutschland inspiriert. Die Meisterschaft im Baum-Umarmen ist wieder so ein Fall, bei dem es gut ist, wenn es komisch aussieht.
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