22. September 2026 / Aus aller Welt

Straßenhunde in Türkei eingesammelt - Tierschützer alarmiert

Die türkische Regierung gibt an, fast alle Straßenhunde eingesammelt zu haben. Das wirft bei Tierschützern Fragen auf.

Seit zwei Jahren sorgt das Gesetz zu Straßenhunden für Diskussionen. (Archivbild)
Veröffentlicht am 22. September 2026 um 05:30 Uhr von dpa

In der Türkei sorgen sich Tierschützer nach einer umstrittenen staatlichen Aktion zur Einsammlung von Straßenhunden um deren Schicksal. Hunde seien in den Heimen nach Beobachtungen ihrer Organisation teils grausamen Bedingungen ausgesetzt und etwa schutzlos Sonne und Kälte ausgeliefert, sagte Nihal Kasa, Vorsitzende der Tierschutzorganisation Hayfed, der Deutschen Presse-Agentur. 

Die Kapazitäten seien zudem unzureichend und es sei schlicht unmöglich, alle Hunde unterzubringen. Kasa warf den Behörden zudem unrechtmäßige Tötungen und Intransparenz vor. Die zuständigen Ministerien äußerten sich auf Anfrage nicht dazu.

Seit einer umstrittenen Gesetzesänderung vor rund zwei Jahren sind Kommunen dazu verpflichtet, Straßenhunde einzufangen und in Tierheimen unterzubringen. Ziel ist der Regierung zufolge deren Vermittlung, in bestimmten Fällen wie Krankheit oder Aggressivität ist aber auch die Tötung erlaubt. 

Umstrittene Gesetzesänderung

Innenminister Mustafa Ciftci hatte vergangene Woche erklärt, dass rund 99 Prozent der Straßentiere eingefangen worden seien. Angaben dazu, wie viele Tiere in Heimen untergebracht, vermittelt oder eingeschläfert wurden, machte er nicht.

Auch der Deutsche Tierschutzbund hatte im August die Bedingungen in türkischen Tierheimen kritisiert und unter Berufung auf Partnerorganisationen vor Ort erklärt, zu viele Hunde seien auf engem Raum untergebracht und die Kapazitäten reichten nicht aus, um sie angemessen zu versorgen. 

Unklare Datenlage

Bei der Verabschiedung der umstrittenen Gesetzesänderung im Sommer 2024 war die Regierung von rund 4 Millionen Straßenhunden ausgegangen, hatte die Anzahl aber später auf rund 1,2 Millionen nach unten korrigiert. 

Im April standen dem rund 459.000 Plätze in Tierheimen und sogenannten natürlichen Lebensräumen entgegen, wie aus einer Antwort des Forstministeriums auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Rund 97.000 herrenlose Tiere waren demnach bis dahin an neue Besitzer vermittelt worden. Aktuelle Angaben machte die Regierung auf Anfrage der dpa nicht. 

Umsorgt oder gehasst

Straßenhunde gehörten in der Türkei bislang vielerorts zum Stadtbild dazu und wurden teils liebevoll von Anwohnern umsorgt. Immer wieder wird aber auch berichtet, dass Rudel von Streunerhunden Menschen angreifen - die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan begründet die Maßnahmen auch damit und will die Population eindämmen. 

Tierschützern zufolge lässt sich die Straßentierproblematik nachhaltig nur durch Einfangen, gezielte Kastrierung, Impfung und anschließende Rückkehr der Tiere in ihr Herkunftsgebiet sowie durch eine Eindämmung des Tierhandels lösen.


Bildnachweis: © Francisco Seco/AP/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Ähnelte KZ-Kleidung: Zara zieht Kostüm zurück
Aus aller Welt

Zara nimmt ein Halloween-Kostüm aus dem Sortiment. Die Modekette reagiert auf Kritik, das Design erinnere an KZ-Häftlingskleidung aus der NS-Zeit.

weiterlesen...
Lippstädter Moonlight Shopping im Herbst 2026
Lokalnachrichten Lippstadt

Moonlight Shopping am 9.10. bis 22 Uhr: shoppen und Wein verkosten in der Lippstädter Innenstadt, dazu das Jubiläumsglas „100 Jahre Herbstwoche".

weiterlesen...
Schülerin bricht in Unterricht zusammen und stirbt
Aus aller Welt

Eine 16-Jährige bricht während des Unterrichts zusammen und stirbt. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung gibt es laut Polizei nicht. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln zur Todesursache.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Angeblich Wolf im Hamburger Westen gesichtet
Aus aller Welt

Im Hamburger Klövensteen melden Bürger erneut einen Wolf – noch ist aber nicht bestätigt, ob es tatsächlich einer ist. Die Umweltbehörde prüft. Worauf Spaziergänger jetzt achten sollen.

weiterlesen...
Neue Therapie gegen tödliche Krebsform – Was bringt sie?
Aus aller Welt

Ein neues Medikament verlängert laut einer Studie das Leben von Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs, verspricht aber keine Heilung. Nun ist die Zulassung in Europa ein Stück näher.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Angeblich Wolf im Hamburger Westen gesichtet
Aus aller Welt

Im Hamburger Klövensteen melden Bürger erneut einen Wolf – noch ist aber nicht bestätigt, ob es tatsächlich einer ist. Die Umweltbehörde prüft. Worauf Spaziergänger jetzt achten sollen.

weiterlesen...
Neue Therapie gegen tödliche Krebsform – Was bringt sie?
Aus aller Welt

Ein neues Medikament verlängert laut einer Studie das Leben von Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs, verspricht aber keine Heilung. Nun ist die Zulassung in Europa ein Stück näher.

weiterlesen...