19. August 2025 / Aus aller Welt

Spitzbergens Gletscher verlieren gigantische Eismassen

Etwa 62 Milliarden Tonnen Eis haben Spitzbergens Gletscher laut einer Studie im Sommer 2024 verloren, ein Großteil davon innerhalb von sechs Wochen. Das hatte Auswirkungen auf den Meeresspiegel.

Die Gletscher von Spitzbergen haben 2024 viel Eis verloren. (Archivbild)
Veröffentlicht am 19. August 2025 um 04:00 Uhr von dpa

Die Gletscher von Spitzbergen nördlich von Norwegen haben im Sommer 2024 eine gigantische Menge Eis verloren: Forscher berechneten einen Verlust von 61,7 Gigatonnen (plus/minus 11,1 Gigatonnen mögliche Abweichung). Diese Schmelze «übertraf alle bisherigen Beobachtungen», schreibt das Team um Thomas V. Schuler von der Universität Oslo in der Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences». Es sei ein Verlust von etwa ein Prozent der gesamten Eismasse Spitzbergens gewesen.

Spitzbergen ist eine Inselgruppe nördlich von Norwegen und östlich von Grönland. Auch die Hauptinsel heißt Spitzbergen und zählt zu den nördlichsten besiedelten Gebieten der Welt. 

0,27 Millimeter Anstieg des Meeresspiegels 

Die Forscher haben die Daten mit Hilfe von Beobachtungen, Modellierungen und Fernerkundungen gewonnen. Unter Berücksichtigung des Gletscherverlusts in den umliegenden Gebieten verlor die Barentssee, an deren Rand Spitzbergen liegt, den Analysen zufolge in einem einzigen Jahr etwa 102,1 Gigatonnen Eis (plus/minus 22,9 Gt). 

Das hatte Auswirkungen auf den globalen Meeresspiegel: Gut 0,27 Millimeter Anstieg gingen laut Analysen darauf zurück, davon sind 0,16 Millimeter allein auf die Schmelze in Spitzbergen zurückzuführen. 

Auch Grönland hat so viel Eis verloren 

«Um den extremen Gletschermassenverlust im Sommer 2024 ins rechte Licht zu rücken», geben die Forscher Vergleichsdaten: Das Eisschild Grönlands hat im gleichen Sommer den Angaben zufolge eine vergleichbare Menge wie Spitzbergen verloren (55 Gt plus/minus 35 Gt), nimmt aber eine rund 50-mal größere Fläche ein. 

Ein solch größerer Gletscher hat mehr Eis und Schnee, was bedeutet, dass es länger dauern kann, bis sich die Temperaturveränderungen auf die gesamte Masse auswirken. Allerdings hängt die Eisschmelze von vielen Faktoren wie etwa auch der Topographie ab.

«Ein Einblick in die Bedingungen in 70 Jahren» 

«Der Großteil der Gletscherschmelze im Jahr 2024 ereignete sich während einer sechswöchigen Periode anhaltender atmosphärischer Zirkulationsmuster, die rekordhohe Lufttemperaturen verursachten», schreiben die Forscher. Obwohl diese Bedingungen bei den gegenwärtigen Klimabedingungen selten seien, deuteten Klimaprognosen für die Zukunft jedoch darauf hin, «dass solche Temperaturniveaus bis zum Ende des 21. Jahrhunderts immer häufiger auftreten und möglicherweise sogar die von 2024 übertreffen werden». 

Die Forscher gehen daher davon aus, dass der Sommer 2024 in Spitzbergen als Prognose für das künftige Gletscherschmelzen in der Arktis dienen und «einen Einblick in die Bedingungen in 70 Jahren» geben kann.


Bildnachweis: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Sonnenfinsternis - Wo könnte es noch Schutzbrillen geben?
Aus aller Welt

Am Mittwoch sollen bis zu 90 Prozent der Sonne verschwinden. Wer das Schauspiel beobachten will, braucht speziellen Augenschutz. Doch wo könnte es jetzt noch die passende «SoFi-Brille» geben?

weiterlesen...
Kreative Aktion zur Sonnenfinsternis - Familienbüro lädt Kinder zum Basteln ein
Stadt Lippstadt

Lippstadt. Am Mittwoch, 12. August, erwartet Himmelsbegeisterte ein besonderes Naturereignis: Eine partielle...

weiterlesen...
100 Jahre Herbstwoche: Attraktive Fahrgeschäfte sorgen vom 16. bis 25. Oktober für Kirmesvergnügen
Stadt Lippstadt

Die Vorfreude wächst: Die Herbstwoche feiert vom 16. bis 25. Oktober ihr 100-jähriges Bestehen. Jetzt stehen auch die...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Brand im Hohen Venn: Evakuierung bei Monschau angeordnet
Aus aller Welt

Wegen des Waldbrandes im Hohen Venn müssen Anwohner in Deutschland ihre Häuser verlassen. Eine Notunterkunft ist eingerichtet.

weiterlesen...
Waldbrand im Westerwald unter Kontrolle
Aus aller Welt

Vier Feuerwehrleute wurden verletzt, als sie im Westerwald einen Waldbrand eingedämmt und Schlimmeres verhindert haben. Betroffene Familien können dank des Einsatzes wieder in ihre Häuser zurück.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Brand im Hohen Venn: Evakuierung bei Monschau angeordnet
Aus aller Welt

Wegen des Waldbrandes im Hohen Venn müssen Anwohner in Deutschland ihre Häuser verlassen. Eine Notunterkunft ist eingerichtet.

weiterlesen...
Waldbrand im Westerwald unter Kontrolle
Aus aller Welt

Vier Feuerwehrleute wurden verletzt, als sie im Westerwald einen Waldbrand eingedämmt und Schlimmeres verhindert haben. Betroffene Familien können dank des Einsatzes wieder in ihre Häuser zurück.

weiterlesen...