Es ist kurz nach 8 Uhr morgens und in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, herrscht mehr Aufregung als sonst. Tausende haben sich in der Nähe der historischen Holzkirche versammelt, zahlreiche Männer in gelben Warnwesten laufen umher, das schwedische Fernsehen sendet live aus der Kleinstadt. Bischöfin Åsa Nyström hat soeben die Kirche gesegnet und jetzt geht es los: Das 672 Tonnen schwere Gotteshaus soll umgesiedelt werden - im Ganzen, einige Kilometer Richtung Osten. Am Dienstagmorgen setzt sich der speziell konstruierte Transporter mit dem etwa 40 Meter breiten und 40 Meter langen Gebäude also in Bewegung. Beim Fernsehsender SVT ist den ganzen Vormittag zu sehen, wie die Kirche im Schneckentempo durch Kiruna bugsiert wird. Die Kirche ist nicht das erste Gebäude in Kiruna, das umziehen muss. Die Stadt hat schon vor Jahren damit begonnen, den Ortskern Richtung Osten umzusiedeln. Grund ist, dass es in Kiruna die größte unterirdische Eisenerzgrube der Welt gibt und sich durch den Bergbau mit den Jahren das Risiko für Erdrutsche und die Einsturzgefahr von Gebäuden erhöht hat. Rund 6.000 Einwohner werden umgesiedelt, was gut einem Drittel von Kirunas Bevölkerung entspricht. Dazu kommen Dutzende Geschäfte, öffentliche Einrichtungen wie Schulen und das Krankenhaus - und eben die Kirche. Bis 2035 soll Kirunas Umsiedlung endgültig abgeschlossen sein. Der Umzug der Kirche ist aber etwas ganz Besonderes für die Stadt im Norden. Die 1912 eingeweihte Kiruna kyrka, wie sie auf Schwedisch heißt, ist nicht nur das größte umzusiedelnde Gebäude, sie ist auch ein Wahrzeichen der Stadt. 2001 wurde sie zum schönsten Gebäude von ganz Schweden gewählt. Sie ist im nationalromantischen Stil gebaut und verbindet Einflüsse von norwegischen Stabkirchen mit denen der samischen Koten. Kiruna liegt im traditionellen Siedlungsgebiet des indigenen Volkes der Samen. Sogar der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson äußerte sich zur Umsiedlung der Kirche. Zur Nachrichtenagentur TT sagte er: «Der Umzug symbolisiert sowohl den Respekt vor unserem gemeinsamen Kulturerbe als auch die Bedeutung der schwedischen Bergbauindustrie, die unser Land reich und stark gemacht hat.» Gegen Mittag zeigt sich Projektleiter Kjell Olovsson zufrieden mit dem «Großen Kirchenumzug», wie das schwedische Fernsehen die komplizierte Operation nennt: «Alles läuft reibungslos und die Konstruktion verhält sich genau so, wie wir es erwartet haben.» Am Mittwoch soll der Umzug abgeschlossen sein. Bis dahin steht noch einiges auf dem Programm in der nordschwedischen Stadt: Ein samischer Chor soll auf der eigens für das Großevent aufgebauten Bühne auftreten - ebenso die Spaßband KAJ, die beim diesjährigen Eurovision Song Contest für Schweden angetreten ist. Und sogar König Carl XVI. Gustaf will sich das Spektakel nicht entgehen lassen - er wird am Mittwoch in Kiruna erwartet.Eine ganze Stadt zieht um
Großes Spektakel begleitet den Kirchenumzug
Bildnachweis: © Fredrik Sandberg/TT News Agency/AP/dpa
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Kirche rollt durch die Stadt - Umzug wegen Erdrutschgefahr
In Nordschweden rollt eine 672 Tonnen schwere Kirche durch die Stadt. Wegen des Bergbaus muss der Ortskern von Kiruna verlegt werden. Jetzt ist die Kirche an der Reihe - und Tausende schauen zu.
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