29. März 2026 / Aus aller Welt

Social-Media-Verbot für Kinder vor rechtlichen Hürden

Die Forderung nach wirksamen Altersbeschränkungen wird auch in Deutschland lauter. Aber ließe sich das national durchsetzen? Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts hat die Frage geprüft.

Soziale Netzwerke sind für sehr viele Menschen unentbehrlich - sie können aber auch schädlich sein. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 29. März 2026 um 08:00 Uhr von dpa

Ein mögliches deutsches Social-Media-Verbot für Kinder steht laut einem Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts im Bundestag vor rechtlichen Hürden. Diese ergeben sich vor allem aus EU-Recht, wie aus dem Gutachten hervorgeht. Auch das im Grundgesetz garantierte Erziehungsrecht der Eltern könnte «ein weiteres Hindernis für ein Verbot von Social-Media-Plattformen darstellen». Das Gutachten hat die Linke in Auftrag gegeben. Es liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Wie in anderen Ländern wird auch in Deutschland debattiert, die Nutzung von sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche zu beschränken. Zuletzt brachten Niedersachsen und Thüringen in den Bundesrat einen Antrag für ein Nutzungsverbot für Personen unter 14 Jahren ein. Bis 16 sollten Jugendliche soziale Medien nur in einer «altersangepassten Version» nutzen dürfen. In der CDU gibt es solche Erwägungen ebenso wie in der SPD. Jugendministerin Karin Prien (CDU) wartet auf Empfehlungen einer von ihr eingesetzten Kommission.

Regelungen auf EU-Ebene

In dem Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts wird jedoch darauf verwiesen, dass es auf EU-Ebene bereits Regelungen im Digital Services Act gibt. Auf dieser Grundlage laufe zum Beispiel ein Verfahren, um Auflagen gegen TikTok durchzusetzen. Das europäische Recht habe «Anwendungsvorrang», heißt es in dem 27 Seiten starken Papier.

Es verweist zudem auf das Herkunftslandprinzip. «Nationale Regelungen bezüglich einer Sperrung beziehungsweise Beschränkung von Social-Media-Plattformen (z.B. Meta, Google, X, TikTok etc.) hätten danach weitgehend keine Auswirkungen, da diese ihren Sitz in Irland haben», schreiben die Gutachter. Sie kommen zu dem Schluss: «Abschließend könnte über die Frage verbleibender Regelungsspielräume der Mitgliedstaaten im Bereich des Verbots beziehungsweise der Beschränkung von Social-Media-Plattformen nur der EuGH entscheiden.» Gemeint ist der Europäische Gerichtshof.

Linke sieht sich bestärkt

Die Linke sieht sich durch das Gutachten bestärkt. «Die Linke sieht die Verbote sehr kritisch», erklärte der medienpolitische Sprecher David Schliesing. «Denn einerseits greifen die Vorschläge für ein Social-Media-Verbot zu kurz, da sie die bestehenden Probleme im Kontext digitaler Plattformen nicht lösen und stattdessen Grundrechte junger Menschen einschränken. Und andererseits sind sie sowohl technisch als auch rechtlich kaum umsetzbar.»

Stattdessen setze die Linke beim Schutz von Kindern und Jugendlichen auf zwei Stellschrauben: «Erstens müssen die bereits bestehenden rechtlichen Instrumente endlich konsequent genutzt werden, um Social-Media-Plattformen wirksam in die Verantwortung zu nehmen. Zweitens müssen wir die Medienpädagogik stärken.»


Bildnachweis: © Yui Mok/PA Wire/dpa
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