23. Mai 2025 / Aus aller Welt

Sind Hunde die besseren Kinder? In bestimmter Hinsicht schon

Mama, Papa, Hund. Nicht wenige Menschen sorgen für ihre tierischen Begleiter wie fürs eigene Kind. Was steckt dahinter?

Hund statt Kind? Ganz so einfach ist es nicht.
von dpa

Der Hund im winzigen Pullover, teures Premium-Futter im Napf, vielleicht sogar eine Hackfleisch-Torte zum Geburtstag: Vielfach werden Hunde verhätschelt wie Babys. Die Zahl der Haushalte mit Hund ist auch in Deutschland groß, gleichzeitig sinkt wie in vielen Ländern die Geburtenrate. Forschende haben sich gefragt: Gibt es da eigentlich einen Zusammenhang? 

Immer mehr Erwachsene hätten in ihrem Alltag kaum noch Kontakt zu kleinen Kindern, erläutern ungarische Forscherinnen im Fachjournal «European Psychologist». In westlichen und ostasiatischen Gesellschaften übernähmen Haustiere zunehmend die Rolle von Gefährten und Hunde würden weitgehend als Mitglied der Familie angesehen. «Immer mehr Besitzer betrachten ihre Hunde sogar als ihre Kinder.»

Je nach Lebenssituation nehme der Hund verschiedene Rollen ein, erläutern die Forscherinnen. Mitbewohner oder bester Freund bei jungen Alleinstehenden; erstes Kind bei frisch Verheirateten; Spielkumpel in Familien mit kleinen Kindern oder Ersatz für ausgezogene Kinder - und schließlich Helfer gegen Einsamkeit bei Verwitweten.

Das Bedürfnis, sich um jemanden zu kümmern

Angenommen werde, dass Menschen ihr eigentlich auf Kinder ausgerichtetes biologisches Bedürfnis, sich um jemanden zu kümmern, auf Tiere umgelenkt haben. Doch warum nehmen gerade Hunde so oft die Rolle als geliebtes pelziges Baby ein?

Die Vierbeiner erfüllten teilweise ähnliche Funktionen, erläutern Laura Gillet und Enikő Kubinyi von der Eötvös Loránd Universität Budapest nach der Auswertung verschiedener Studien zum Thema. «Hunde können eine ähnliche Bindung zu ihren Bezugspersonen aufbauen wie Kleinkinder.» Und die Rolle, sich umsorgen zu lassen, fülle ein Hund womöglich sogar besser aus als ein Mensch. Denn: Babys werden Kinder und Kinder immer eigenständiger – Hunde hingegen brauchen über ihre gesamte Lebensspanne hinweg jemanden, der sich um sie kümmert.

Zudem sprächen Hunde mit ihren teils kindlichen Merkmalen das Bedürfnis von Menschen an, sich zu kümmern. Viele Hundebesitzer betrieben großen Aufwand bei der Pflege ihres Hundes - manchmal opferten sie ihr eigenes Wohlbefinden zugunsten ihres Lieblings. «Diese offensichtlich große Hingabe an Haushunde kann mit dem Konzept der intensiven Mutterfürsorge verglichen werden.»

Hierzulande lebt nach aktuellen Daten des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe in etwas mehr als jedem fünften Haushalt (21 Prozent) ein Hund, der Anteil war in den vergangenen Jahren recht stabil. Gut sieben Milliarden Euro wurden in Deutschland 2024 allein für Tiernahrung und Zubehör ausgegeben.

Zumindest nach Umfragen nicht als gleichwertig betrachtet

Man könne nicht verallgemeinern, dass Hunde als Kindersatz gehalten werden, meinen Gillet und Kubinyi. Die Entscheidung für einen Hund anstelle eines Kindes werde vielfach sehr bewusst getroffen, mit klarem Blick darauf, dass es entscheidende Unterschiede in der Beziehung zum Hund im Vergleich zum Kind gibt. «Tatsächlich haben sich laut mehreren Studien viele Besitzer vor allem
deshalb für die Anschaffung von Hunden entschieden, weil Hunde nicht
wie Kinder sind.»

Ein weiterer Hinweis darauf, dass viele Hundehalter einen deutlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier machen, ist demnach, dass sie menschliches Leben priorisieren: Vor das theoretische Dilemma gestellt, sich zwischen einem Menschenleben und hundert Hundeleben entscheiden zu müssen, gäben die meisten Befragten an, den Menschen retten zu wollen. Noch eindeutiger sei das, wenn es um das Leben eines Kindes gehe.

Auch sei die Wahrscheinlichkeit, die Beziehung zum Hund zu beenden, höher als bei einem Kind, heißt es in der Analyse. Allein in den USA kommen demnach jedes Jahr etwa drei Millionen Hunde in Tierheime - mehr als drei Prozent der dort insgesamt gehaltenen Hunde. 

Nicht überall Kindersatz

Die Beziehung zum Hund sei auch kulturell geprägt, ergänzen Gillet und Kubiny. US-amerikanische Halterinnen und Halter sprächen vor Freunden oder der Familie von sich als «Mama» oder «Papa» ihres tierischen «Kindes». Bei Kollegen oder Fremden nutzten sie eher neutralere Begriffe. In anderen Ländern wiederum sei das Verhältnis überwiegend viel distanzierter.


Bildnachweis: © Julian Stratenschulte/dpa
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