7. August 2026 / Aus aller Welt

Tödliche Schüsse an Schule erschüttern Thailand

Ein 14-Jähriger soll zuerst seine Großeltern und dann an seiner Schule mehrere Menschen getötet haben. Die Bluttat wirft in Thailand viele Fragen auf – vor allem nach dem Motiv.

Schülerinnen und Schüler trauerten nach der Attacke.
Veröffentlicht am 7. August 2026 um 12:42 Uhr von Carola Frentzen, dpa

Es ist kurz nach Unterrichtsbeginn, als plötzlich Schüsse über den Campus der Debsirin Nonthaburi School nördlich von Bangkok hallen. Schülerinnen und Schüler geraten in Panik, manche verbarrikadieren sich in ihren Klassenzimmern. Der Morgen wird zum Alptraum: Am Ende sind nach übereinstimmenden Medienberichten mindestens fünf Lehrer tot. Auch Stunden nach der Tragödie gibt es noch verschiedene Angaben zur Zahl der Todesopfer. 

Mehr als 20 weitere Menschen - darunter viele Jugendliche - werden verletzt, einige davon schwer. Die Krankenhäuser bitten später dringend um Blutspenden für zwei Jugendliche in kritischem Zustand. 

Der mutmaßliche Täter, ein 14-jähriger Schüler einer neunten Klasse, soll nach bisherigen Ermittlungen zunächst seine Großeltern erschossen haben, bei denen er aufgewachsen war. Polizeibeamte fanden die beiden Leichen später im verschlossenen Haus der Familie in der Provinz Nonthaburi. Anschließend soll der Jugendliche mit der legal registrierten Waffe seines Großvaters zur Schule gegangen sein und dort das Feuer eröffnet haben. 

Schüler verschanzten sich

Besonders eindringlich schilderte ein Schüler einer zwölften Klasse gegenüber der Zeitung «Khaosod» die Minuten des Schreckens. Während einer Englischstunde habe er zunächst gedacht, die Geräusche kämen von jemandem, der auf Vögel schieße, erzählte er. Kurz darauf sei ein Mitschüler in den Raum gerannt und habe gewarnt, dass ein Lehrer angeschossen worden sei. 

Die Klasse verschloss daraufhin die Tür, schob Tische und Stühle davor, löschte das Licht und verharrte fast eine halbe Stunde lang auf dem Boden. «Glücklicherweise wurde niemand in unserem Klassenraum verletzt», berichtete der Schüler weiter. Schließlich brachte die Polizei, die mit einem Großaufgebot angerückt war, die verängstigten Jugendlichen in Sicherheit. Eltern eilten derweil in Panik zur Schule, um ihre Kinder zu suchen.

Mobbing als Motiv?

Laut den Sicherheitskräften soll der mutmaßliche Täter später tot aufgefunden worden sein - nach dem Angriff hatte er sich offenbar selbst erschossen. In seiner Tasche entdeckten die Ermittler große Mengen Munition.

Das Motiv der Tat ist noch unklar. Die Ermittler prüfen verschiedene mögliche Hintergründe, darunter Berichte über Mobbing. Mitschüler sollen den Jugendlichen nach ersten Angaben wiederholt verspottet und angegriffen haben. Offiziell bestätigt ist dieser Zusammenhang bislang nicht. Angehörige beschrieben ihn als höflichen, eher zurückgezogen lebenden Jungen.

Auch das Umfeld des Jugendlichen wird untersucht. Nach Angaben der Polizei werden Computer und digitale Spuren ausgewertet. Ermittler fanden demnach Videos über frühere Schusswaffenangriffe, die der Schüler kurz vor der Tat angesehen haben soll. Ob diese Inhalte eine Rolle bei der Tat spielten, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen. Die Polizei vernahm auch den Vater des Jungen zu möglichen Hintergründen. Die Schule soll mindestens eine Woche lang geschlossen bleiben.

Debatte über Zugang zu Schusswaffen

Der Angriff löst in Thailand erneut eine Debatte über den Zugang zu Schusswaffen, psychische Gesundheit und die Sicherheit an Schulen aus. Ministerpräsident Anutin Charnvirakul äußerte sich erschüttert darüber, «dass ein solcher Vorfall in unserem Land passieren konnte» und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Politiker forderten als erste Reaktion strengere Kontrollen für Schusswaffen und bessere Schutzmaßnahmen an Bildungseinrichtungen.

Schusswaffenangriffe an Schulen sind in Thailand selten, haben das Land aber in der Vergangenheit mehrfach erschüttert. Bereits 2003 erschoss ein Schüler in der südthailändischen Provinz Nakhon Si Thammarat zwei Mitschüler. Anfang 2026 wurde bei einem Angriff an einer Schule in Songkhla der Schulleiter getötet und eine Schülerin verletzt.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Thailand zudem 2022 durch das schwerste Gewaltverbrechen gegen Kinder in der jüngeren Geschichte des Landes: Ein ehemaliger Polizist tötete in einer Kindertagesstätte in der Provinz Nong Bua Lamphu 37 Menschen, darunter 24 Kinder.


Bildnachweis: © Sakchai Lalit/AP/dpa
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