Bis zu 10.000 Menschen in Deutschland könnten pro Jahr vor dem Tod bewahrt werden - wenn Mitmenschen ihnen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand schnell Erste Hilfe leisteten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der ADAC Stiftung aus München, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag. Demnach überleben bislang nur etwa elf Prozent derjenigen, die außerhalb von Kliniken einen Herzstillstand erleiden. Doch dies müsse nicht so bleiben, betonen die Studienautoren. Wenn etwa an den Schulen ein verbindliches Reanimationstraining eingeführt würde, es Anreize für regelmäßige Schulungsangebote für Erwachsene gäbe, die Telefonreanimation durch die Leitstellen gesetzlich verpflichtend würde, könnten viele Leben gerettet werden. Ein nationales Register müsste Standorte von Defibrillatoren erfassen und diese bedarfsgerecht verteilen. Zudem müssten Apps etabliert und finanziert werden, die qualifizierte Ersthelfer bei Notfällen in ihrem Umfeld alarmieren. Auch solle das Ehrenamt in First-Responder-Strukturen gezielt gefördert werden, schlagen die Experten vor. Die Studie zeigt, dass sich viele Menschen bislang nicht zutrauen, selbst beherzt zuzudrücken und Atem zu spenden, wenn neben ihnen jemand leblos zusammenbricht. Doch schon nach vier Minuten ohne Reanimation steigt das Risiko irreversibler Hirnschäden rapide. Der Rettungsdienst benötigt den Angaben zufolge im Schnitt aber sieben Minuten bis zum Eintreffen, auf dem Land teils deutlich länger - zusätzlich zu der Zeit für den Notruf. Zugleich verfügen rund 75 Prozent der Bevölkerung über keine aktuellen Reanimationskenntnisse, wie eine repräsentative Umfrage ergab. 37 Prozent trauen sich im Ernstfall keine Hilfe zu. Und drei Viertel der Bevölkerung fühlen sich bei der Bedienung eines Defibrillators unsicher, wie aus dem «Monitor Reanimation 2025» hervorgeht, den die ADAC Stiftung anlässlich der anstehenden «Woche der Wiederbelebung» nun vorlegt. Demnach ist der Reanimationsunterricht bislang nur in zwei Bundesländern, in Hessen und dem Saarland, an den Schulen verpflichtend - obwohl 80 Prozent der Bürger dies befürworten. Auch die Telefonreanimation, bei der Leitstellen die Anrufenden Schritt für Schritt anleiten, werde bislang nicht konsequent umgesetzt. Ersthelfer-Apps deckten erst die Hälfte Deutschlands ab, zudem seien ihre Finanzierung und die technischen Standards uneinheitlich. Defibrillatoren seien zwar lebensrettend, jedoch unsystematisch verteilt und ihr Standort nicht zentral erfasst. «Wer im Ernstfall handelt, gibt nicht nur einem Menschen eine zweite Chance, sondern macht unsere Gemeinschaft stärker», betont die Vorständin der ADAC Stiftung, Christina Tillmann. Ziel sei daher eine «Kultur der Wiederbelebung» – ein gesellschaftliches Selbstverständnis, im Notfall sofort zu helfen. In Deutschland erleiden etwa 136.000 Menschen jährlich einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand, im vergangenen Jahr wurden knapp 70.000 außerhalb einer Klinik reanimiert. Die Wahrscheinlichkeit, helfen zu müssen, ist also nicht gering. Und tatsächlich gaben neun Prozent der befragten Laien an, bereits mindestens einmal in ihrem Leben jemanden reanimiert zu haben.Konkrete Maßnahmen könnten Leben retten
Mehr als jeder Dritte traut sich nicht zu, Hilfe zu leisten
Jeder neunte Laie hat schon eine Reanimation durchgeführt
Bildnachweis: © Jens Kalaene/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Reanimation: Ersthelfer könnten 10.000 Leben im Jahr retten
Mehr als jeder Dritte zögert im Notfall, Bewusstlose wiederzubeleben. Regelmäßige Trainings und andere Maßnahmen könnten deshalb viele Leben retten. Denn die ersten vier Minuten entscheiden.
Meistgelesene Artikel
- 3. Oktober 2026
Ähnelte KZ-Kleidung: Zara zieht Kostüm zurück
Zara nimmt ein Halloween-Kostüm aus dem Sortiment. Die Modekette reagiert auf Kritik, das Design erinnere an KZ-Häftlingskleidung aus der NS-Zeit.
- 11. September 2026
Neue Bauordnung NRW: Was Bauherren in Lippstadt jetzt wissen müssen
Seit dem 1. September gilt in NRW eine neue Bauordnung: kürzere Fristen, Bauantrag nur noch digital, Dachausbau oft ohne Genehmigung.
- 28. September 2026
Lippstädter Moonlight Shopping im Herbst 2026
Moonlight Shopping am 9.10. bis 22 Uhr: shoppen und Wein verkosten in der Lippstädter Innenstadt, dazu das Jubiläumsglas „100 Jahre Herbstwoche".
Neueste Artikel
- 5. Oktober 2026
Behörde: Laborantin in Sibirien starb nicht an Pest
Nach dem Tod einer jungen Frau in einem sibirischen Krankenhaus steht der Verdacht auf Lungenpest im Raum. Die zuständige staatliche Stelle dementiert. Doch Vorsichtsmaßnahmen gelten.
- 5. Oktober 2026
Zwei Tote bei schwerem Schulbus-Unfall in Florida
Bei einem schweren Unfall mit einem Schulbus in Florida sterben zwei Menschen, darunter eine Schülerin. Zahlreiche weitere Menschen werden verletzt.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 5. Oktober 2026
Behörde: Laborantin in Sibirien starb nicht an Pest
Nach dem Tod einer jungen Frau in einem sibirischen Krankenhaus steht der Verdacht auf Lungenpest im Raum. Die zuständige staatliche Stelle dementiert. Doch Vorsichtsmaßnahmen gelten.
- 5. Oktober 2026
Zwei Tote bei schwerem Schulbus-Unfall in Florida
Bei einem schweren Unfall mit einem Schulbus in Florida sterben zwei Menschen, darunter eine Schülerin. Zahlreiche weitere Menschen werden verletzt.

