27. April 2026 / Aus aller Welt

Mutmaßlicher Block-Entführer: «Wir waren enttäuscht»

Der 35-Jährige ist Bauingenieur in Israel – doch er soll in die Entführung der Block-Kinder aus Dänemark verwickelt sein. Vor dem Landgericht Hamburg erzählt er als Zeuge seine Version der Tat.

Christina Block, ihr Anwalt Ingo Bott (rechts), und Gerhard Delling. Rund 100 Verhandlungstage sind im Block-Prozess geplant.
Veröffentlicht am 27. April 2026 um 17:16 Uhr von dpa

Im Hamburger Block-Prozess hat ein weiterer mutmaßlicher Entführer als Zeuge seine Sicht der Ereignisse aus der Silvesternacht 2023/24 geschildert. «Ich bin kein Verbrecher», sagte der 35-Jährige, der nach eigenen Angaben Bauingenieur in Israel ist, laut Übersetzung. Er habe nur helfen wollen, denn der Chef einer israelischen Sicherheitsfirma habe ihm berichtet, dass die beiden jüngsten Kinder der Unternehmerin Christina Block angeblich beim Vater misshandelt würden.

Mehrmals sei betont worden, es sei eine völlig legale Aktion, die Kinder aus Dänemark zurück zur Mutter nach Deutschland zu bringen. «Alles wird in Ordnung sein», die deutschen Behörden seien informiert, sei ihm gesagt worden. «Ohne Gewalt» sei die Vorgabe gewesen, sagte der Zeuge.

Mutmaßlicher Fahrer sollte 10.000 Euro bekommen

Er habe eingewilligt, nach Deutschland und Dänemark zu reisen. Seine Aufgabe bei der Rückholaktion, die laut Anklage doch gewaltsam verlief: «Ich war der Fahrer.» Ihm seien 10.000 Euro versprochen worden – allerdings habe er später nur die Hälfte vom Chef des Sicherheitsunternehmens bekommen. 

Wie zuvor bereits andere Zeugen berichtete der 35-Jährige, es habe wenige Tage vor der Tat noch ein Treffen mit Christina Block in einem Konferenzraum im Hotel Grand Elysée gegeben. Die Männer seien auf Bitte des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma maskiert gewesen. «Sie war sehr bewegt», sagte der Zeuge. «Sie wusste, dass wir die Kinder bringen werden.» Blocks Verteidiger Ingo Bott hatte erklärt, dass es ein solches Treffen am 28. Dezember nie gegeben habe.

Laut Anklage brachten Mitarbeiter der israelischen Sicherheitsfirma den Jungen und das Mädchen am Neujahrstag 2024 zu einem Bauernhof in Baden-Württemberg. Von dort habe Christina Block sie nach Hamburg geholt. Am 5. Januar 2024 entschied das Oberlandesgericht, dass die Kinder zu ihrem Vater zurückkehren sollen. 

«Alles ganz anders gelaufen»

Am 3. Januar 2024 sei er nach Israel zurückgeflogen, sagte der Zeuge. Einen Monat später habe es dort noch mal ein Treffen gegeben. Dabei habe der Chef der israelischen Sicherheitsfirma erzählt, dass die Kinder wieder zurück beim Vater in Dänemark seien. «Wir waren enttäuscht, weil wir eigentlich der Mutter helfen wollten», erinnerte sich der Zeuge. Schließlich habe er erfahren, dass ein Teammitglied auf Zypern verhaftet worden sei. Er habe sich schließlich selbst einen Anwalt genommen. «Es ist alles ganz anders gelaufen, als ich es mir gedacht habe.»

Der Mann und drei andere Beschuldigte aus Israel hatten sich mitten im laufenden Prozess gemeldet, die Justiz gewährte ihnen für ihre Zeugenaussage sicheres Geleit. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.

Christina Block bestreitet Vorwürfe

Die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist angeklagt, nach einem langen Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder – damals 10 und 13 Jahre alt – in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark nach Deutschland zu entführen. Die Anklage gegen Block lautet unter anderem gemeinschaftliche schwere Entziehung von Minderjährigen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Ihr Ex-Mann Stephan Hensel war bei der Entführung niedergeschlagen worden und ist Nebenkläger.

Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, beteuert ihre Unschuld. Ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (67) ist wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator hat erklärt, er habe nichts Unrechtes getan. Es gibt noch fünf weitere Angeklagte.

Tat hat eine lange Vorgeschichte

Christina Block und ihr Ex-Mann Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach Dänemark gezogen. Wenige Wochen später brachte Hensel die beiden jüngsten Kinder nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch zurück nach Hamburg.

Er erhob Gewaltvorwürfe, die Block als unwahr bezeichnet. Hensel habe die Kinder manipuliert, meint die 52-Jährige. Sie habe nun seit Jahren so gut wie keinen Kontakt mehr zu den drei Kindern in Dänemark. Die zweitälteste Tochter blieb bei Block in Hamburg.

Der Zeuge aus Israel soll am Dienstag weiter befragt werden.


Bildnachweis: © Christian Charisius/dpa
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