Die Liste der angeklagten Straftaten ist lang, die Details schwer zu ertragen: Über drei Jahre soll ein Mann ein Mädchen auf den Philippinen übers Internet sexuell schwer missbraucht haben. Vor dem Landgericht in Nürnberg räumte er die Vorwürfe nun ein. «Die Anklage ist im Wesentlichen richtig», ließ er seinen Verteidiger Michael Löwe beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Nürnberg erklären. Über WhatsApp soll der heute 53-Jährige konkrete Anweisungen an die Mutter und das minderjährige Mädchen gegeben haben, welche sexuelle Handlungen dieses an sich, anderen Kindern und Erwachsenen für Videos und Fotos ausführen sollte. Dafür zahlte er einem Ermittler zufolge Beträge von etwa 10 bis 70 Euro. Mitunter drohte er der Frau und dem Kind laut der Anklage auch, kein Geld mehr zu zahlen, falls er nicht die gewünschten Videos bekomme. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Verdächtigen aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt 95 Taten von Mai 2019 bis Mai 2022 vor. In 84 Fällen folgte das acht bis elf Jahre alte Opfer laut der Generalstaatsanwaltschaft den Anweisungen des Mannes. Einmal reiste der Ingenieur demnach selbst auf die Philippinen, um das Mädchen in einem Hotelzimmer nackt für Aufnahmen posieren zu lassen. Außerdem habe er das Mädchen zwei anderen Männern zum sexuellen Missbrauch angeboten. Die Ermittlungen hatte eine Hilfsorganisation auf den Philippinen ins Rollen gebracht, die australische Sicherheitsbehörden über den Fall informierte. Im Mai 2025 nahmen deutsche Ermittler den Mann fest und durchsuchten dessen Wohnung. Dort fanden diese laut Generalstaatsanwaltschaft mehr als 11.000 Bilder sexualisierter Gewalt gegen Kinder und mindestens 87 Videos. Als «Livestreaming» bezeichnet das Bundeskriminalamt (BKA) Straftaten, wie sie gerade vor dem Nürnberger Landgericht verhandelt werden. Dabei schauen die Täter nicht nur live übers Internet dabei zu, wie Kinder sexuelle Handlungen an sich selbst, anderen Kindern oder Erwachsenen vornehmen. Die Täter steuern die Taten auch aktiv über eigene Anweisungen. Die Opfer leben Fachleuten zufolge in der Regel in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Bei den zahlenden Auftraggebern handelt es sich überwiegend um Männer aus Europa, Nordamerika oder Australien. In dem Nürnberger Fall konnten die Ermittler nur bei zwei Taten echtes «Livestreaming» feststellen. Beim überwiegenden Teil der angeklagten Taten habe der Verdächtige das Mädchen per Chat zu sexuellen Handlungen aufgefordert und anschließend davon Fotos oder Videos geschickt bekommen, sagte ein Ermittler vor Gericht. Allerdings habe es etwa 40 Videoanrufe zwischen dem Mann und dem Mädchen in der Zeit gegeben. Deren Inhalt sei aber unbekannt. Kennengelernt habe der Mann die Frau und ihre Tochter während eines Sexurlaubs auf den Philippinen, sagte dessen Verteidiger Löwe. Danach sei ein reger Chataustausch entstanden. Sein Mandant habe sich eingeredet, das Mädchen sei mit allem einverstanden gewesen. Er bereue seine Taten zutiefst und habe bereits Schmerzengeld an das Opfer gezahlt. Der Missbrauch habe geendet, als das Mädchen im Mai 2022 in Streit mit ihrer Mutter geraten und in ein Jugendheim gezogen sei, sagte Löwe. Dem Ermittler zufolge gilt das aber nur in Bezug auf dieses Mädchen. Der Mann habe bis zu seiner Festnahme immer wieder Kontakt zu Leuten auf den Philippinen aufgenommen, um an neue Missbrauchsdarstellungen zu kommen. Es gebe mehrere Fälle mit weiteren Opfern.Mehr als 11.000 kinderpornografische Aufnahmen
Täter steuern Missbrauch aktiv
Im Sexurlaub kennengelernt
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Angeklagter gesteht Missbrauch eines Mädchens übers Internet
Für nur wenige Euro soll ein Mann ein Kind über Jahre sexuell ausgebeutet haben. Vor Gericht zeigt sich die Dimension dieses internationalen Verbrechens.
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