17. Mai 2026 / Aus aller Welt

Kommission: WHO sollte Notstand wegen Klimakrise ausrufen

«Abwarten macht keinen Sinn»: Karl Lauterbach und andere Experten fordern jetzt einen internationalen Notstand wegen der Klimakrise. Die WHO trifft sich am Montag zu ihrer jährlichen Versammlung.

Auf einem Klimaprotest machen Plakate auf die eskalierende Krise aufmerksam. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 17. Mai 2026 um 16:21 Uhr von dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte die Klimakrise aus Sicht einer Expertenkommission zur gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite ausrufen. Das fordert die von der WHO selbst eingesetzte paneuropäische Kommission, zu der auch Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach gehört. Eine solche Notlage wurde etwa für die Covid-Pandemie ausgerufen.

Der SPD-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): «Die WHO muss der Bekämpfung der Klimakrise mehr Aufmerksamkeit widmen. Abwarten im Verlauf der Katastrophe macht keinen Sinn.» Jährlich sorgten die Folgen der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Europa für 600.000 Todesfälle, dazu kämen 60.000 Hitzetote. «Es wird Zeit, dass wir erkennen, dass wir es mit einem medizinischen Notfall zu tun haben.»

Der Bericht, über den zunächst der «Spiegel» berichtete und der auch der dpa vorliegt, sollte am Sonntagnachmittag der WHO übergeben werden. Diese hält am Montag ihre jährliche Weltgesundheitsversammlung ab. 

Die WHO als Ankerpunkt für Regierungen

Die Experten rufen die WHO unter anderem auf, einen Klima-Informations-Hub mit Faktenchecks und seriösen Prognosen auf wissenschaftlicher Basis bereitzustellen. Regierungen werden aufgefordert, die Klimakrise in ihrer nationalen Sicherheits- und Gesundheitspolitik zu verankern. Beschäftigte in Gesundheitsberufen müssten zudem besser im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimaanpassung ausgebildet und Regionen besser bei der Transformation unterstützt werden.

Die WHO hat den Ausschuss im vergangenen Jahr angesichts der steigenden Gesundheitsrisiken ins Leben gerufen, die vom Klimawandel ausgehen. Die sogenannte Pan-European Commission on Climate and Health (PECCH) sollte erschwingliche und praktikable Empfehlungen für den Gesundheitssektor vorlegen. Dazu gehören etwa Frühwarnsysteme für Hitzewellen. Leiterin ist die ehemalige isländische Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir.


Bildnachweis: © Christian Charisius/dpa
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