11. Mai 2026 / Aus aller Welt

Königin Silvia: Wir schulden Kindern mehr als Mitgefühl

Seit Jahrzehnten setzt sie sich für Kinder ein, die Gewalt erlebt haben. Nun ist Schwedens Königin Silvia in Berlin - in einer Ansprache auf Deutsch erzählt sie, was ihr wichtig ist.

Königin Silvia von Schweden besucht Berlin.
Veröffentlicht am 11. Mai 2026 um 14:51 Uhr von dpa

Schwedens Königin Silvia (82) setzt sich auf einer Fachtagung in Deutschland dafür ein, Kinder besser zu schützen und ihnen bestmöglich zu helfen, wenn sie Gewalt erleben. «Seit vielen Jahrzehnten begegne ich Kindern, deren Rechte verletzt wurden – oft im Verborgenen, oft zu lange», sagte sie in Berlin, wo sie eine Veranstaltung ihrer World Childhood Foundation besuchte.

«Diese Begegnungen haben mein Leben geprägt», sagte die Königin in einer Ansprache auf Deutsch. «Sie haben mich gelehrt, dass Kinderschutz kein Randthema ist, sondern ein Prüfstein für den Zustand der Gesellschaft, in der wir leben, und auch unserer rechtsstaatlichen Strukturen.»

Die Dunkelziffer der Betroffenen ist groß. Nach Einschätzung von Astrid Helling-Bakki, Vorständin der Stiftung in Deutschland, bleiben neun von zehn Fällen unentdeckt. Zu Gewalterfahrungen zählen körperliche Übergriffe, sexualisierte Gewalt und auch emotionaler Missbrauch.

Bei der Fachtagung sollte darüber gesprochen werden, wie der Kinderschutz verbessert werden kann. Wie kann zum Beispiel trotz kleinteiliger Strukturen erreicht werden, dass die Trainerin im Sportverein und der Klassenlehrer wissen, was zu tun ist, wenn ihnen etwas auffällig vorkommt?

Gebürtige Deutsche gründete Kinderschutzorganisation

Silvia wurde in Heidelberg geboren, verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit im brasilianischen São Paulo und machte in Düsseldorf Abitur. Als Ehefrau von König Carl Gustaf ist sie seit 1976 Königin von Schweden. 1999 gründete sie die World Childhood Foundation.

Der Runde Tisch folge den Leitfragen, was wirke, was es koste und wie man maximale Wirkung bei begrenzten Ressourcen erziele, sagte die Königin. Diese Fragen dürfe man nicht durch die kurzsichtige Brille eines Haushaltsjahres oder einer Legislaturperiode betrachten, sondern es brauche langfristig ein stabiles Fundament. «Denn wir schulden Kindern nicht nur Mitgefühl, sondern wirksames verantwortungsvolles Handeln», sagte sie.

Sexueller Kindesmissbrauch sei kein Randphänomen, mahnte auch Elke Büdenbender, die Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Es könne nicht sein, dass Kinder in ihren eigenen Familien nicht sicher und geborgen seien. Man müsse das Thema ressortübergreifend angehen und davon wegkommen, Menschen als Opfer zu stigmatisieren.

Büdenbender warnte auch vor den Gefahren von Internet und Social Media. Ähnlich äußerte sich die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus. «Digitale Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, das ist eine alltägliche Lebensrealität.»


Bildnachweis: © Bernd von Jutrczenka/dpa
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