17. Februar 2026 / Aus aller Welt

Klimakrise begünstigt Zecken – mehr Hirnhautentzündungen

Zecken machen keine Winterpause mehr: Warum jetzt selbst Spaziergänge im Garten riskant sein können – und was das für den Schutz bedeutet.

Zecken sind inzwischen ganzjährig aktiv, sie erobern selbst kühle Berglagen und verbreiten das FSME-Virus in ganz Deutschland.(Symboldbild)
Veröffentlicht am 17. Februar 2026 um 14:46 Uhr von dpa

Nicht selten sind sie das unliebsame Ende eines Spaziergangs oder von Gartenarbeit: Wenn Zecken sich festgesetzt haben und ihren Stechrüssel durch die Haut bohren, kann das in seltenen Einzelfällen tödliche Folgen haben. Das Risiko, durch einen Zeckenbiss ernsthaft zu erkranken, steigt in Deutschland nach Überzeugung von Experten. Im vergangenen Jahr könnten Zecken demnach so viele Hirnhautentzündungen verursacht haben wie noch nie seit Beginn der Meldepflicht. 

«Die Auswertungen laufen noch, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass wir die schon sehr hohen Zahlen von 2024 übertroffen haben werden», sagte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München zu den Fällen von Frühsommer-Meningoen­ze­phalitis (FSME). Es sei mit weiter steigenden Zahlen zu rechnen, warnte die Parasitologin Ute Mackenstedt im Vorfeld des 8. Süddeutschen Zeckenkongresses in Stuttgart.

Dobler: Risiko hat sich dramatisch erhöht

Zecken sind inzwischen ganzjährig aktiv, sie erobern selbst kühle Berglagen und verbreiten das FSME-Virus in ganz Deutschland. Mit der gestiegenen Verbreitung und Aktivität der Zecken nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung (FSME) erkranken. 

Bislang wurde der höchste Wert mit 704 FSME-Erkrankungen im Jahr 2020 gemessen. «Aktuell haben wir 693 gesicherte FSME-Fälle in 2025», sagte Dobler. Hinzu kämen 100 Verdachtsfälle, die gerade geprüft würden, so Dobler, der Deutschlands nationales Konsiliarlabor für FSME leitet. Es überprüft unklare Diagnosen, beobachtet aber auch die Epidemiologie und Ökologie der Erkrankung. 

Ganz Deutschland ist Risikogebiet

Nach Angaben von Dobler und Mackenstedt stehen Baden-Württemberg und Bayern mit etwa 85 Prozent der Krankheitsmeldungen weiter an der Spitze der FSME-Risikogebiete. Ein Vergleich: Allein 258 der FSME-Fälle des vergangenen Jahres wurden nach Angaben des Landesgesundheitsamtes in Stuttgart in Baden-Württemberg registriert. Ein ansteigender Trend auf niedrigem Niveau sei in allen Bundesländern zu beobachten, hieß es. «Wir müssen davon ausgehen, dass ganz Deutschland inzwischen ein FSME-Risikogebiet ist», sagte Mackenstedt.

Ebenfalls auffällig: Es gibt kaum noch Zyklen, in denen auf ein Jahr mit besonders vielen Erkrankungsfällen ein bis zwei Jahre mit geringeren Fallzahlen folgten, erklärte die Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart. «Seit 2016 gibt es nur noch Jahre mit hohen Fallzahlen von 400 bis 500 Krankheitsmeldungen.» Wie viele Fälle tatsächlich erkannt werden, hängt auch davon ab, ob Ärzte bei Symptomen FSME-spezifische Tests veranlassen. 

Warme Winter und weniger Frost

Ursache für die steigenden Zahlen dürfte aus Sicht der Experten vor allem der Klimawandel sein. Zecken gingen nicht mehr in die Winterpause, weil die Temperaturen einfach zu hoch seien, sagte Mackenstedt. Hinzu komme, dass viel mehr Zecken die im Mittel seltener werdenden Frosttage überlebten. Die Folge: Bereits im Frühjahr gebe es einen ersten Schwung an FSME-Meldungen. 

FSME ist eine Virus-Erkrankung, die bei etwa einem Drittel der Infizierten grippeartige Symptome mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auslöst. Bei fünf bis zehn Prozent aller Infektionen treten nach einem zunächst symptomfreien Verlauf Hirnhaut- und Gehirn-Entzündungen auf. Vor allem bei älteren Menschen können sie bleibende Schäden hinterlassen. Eine spezielle Behandlungsmöglichkeit gibt es nicht.

Den besten Schutz gegen FSME bieten Schutzimpfungen. Bei 99 Prozent der Betroffenen fehlt laut Robert Koch-Institut (RKI) ein Impfschutz. Dabei sei genau dieser Schutz entscheidend, sagte Dobler. «Das Risiko, sich mit FSME zu infizieren, ist heute fünf- bis zehnmal höher als noch vor 40 Jahren vor Einführung der Impfung.»


Bildnachweis: © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Ähnelte KZ-Kleidung: Zara zieht Kostüm zurück
Aus aller Welt

Zara nimmt ein Halloween-Kostüm aus dem Sortiment. Die Modekette reagiert auf Kritik, das Design erinnere an KZ-Häftlingskleidung aus der NS-Zeit.

weiterlesen...
Lippstädter Moonlight Shopping im Herbst 2026
Lokalnachrichten Lippstadt

Moonlight Shopping am 9.10. bis 22 Uhr: shoppen und Wein verkosten in der Lippstädter Innenstadt, dazu das Jubiläumsglas „100 Jahre Herbstwoche".

weiterlesen...
Schülerin bricht in Unterricht zusammen und stirbt
Aus aller Welt

Eine 16-Jährige bricht während des Unterrichts zusammen und stirbt. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung gibt es laut Polizei nicht. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln zur Todesursache.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Serie von Messerangriffen erschüttert Polen
Aus aller Welt

Drei Attacken in wenigen Tagen: Was steckt hinter der plötzlichen Gewalt an polnischen Schulen und warum geraten immer mehr Jugendliche ins Visier der Polizei?

weiterlesen...
Cybergrooming: Ermittler warnen vor Massenphänomen im Netz
Aus aller Welt

Sie haben sexuelle Absichten und knüpfen Kontakte über Chats und Gaming-Plattformen: Wie Täter im Netz vorgehen, welche Hürden bei der Strafverfolgung bestehen und welche Maßnahmen Ermittler fordern.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Serie von Messerangriffen erschüttert Polen
Aus aller Welt

Drei Attacken in wenigen Tagen: Was steckt hinter der plötzlichen Gewalt an polnischen Schulen und warum geraten immer mehr Jugendliche ins Visier der Polizei?

weiterlesen...
Cybergrooming: Ermittler warnen vor Massenphänomen im Netz
Aus aller Welt

Sie haben sexuelle Absichten und knüpfen Kontakte über Chats und Gaming-Plattformen: Wie Täter im Netz vorgehen, welche Hürden bei der Strafverfolgung bestehen und welche Maßnahmen Ermittler fordern.

weiterlesen...