Ausgerechnet an Weihnachten nicht daheim, am Heiligen Abend nicht mit der Familie: Das Schicksal der fünfköpfigen Familie, die in den Abruzzen abgeschieden in einem Steinhaus ohne fließend Wasser und Strom lebte, sorgt gerade zu den Festtagen in Italien für eine emotionale Debatte. Die sogenannte Waldfamilie kann wohl nur am ersten Weihnachtstag ein paar Stunden zusammen sein. Und die Eltern müssen sich psychologisch untersuchen lassen - und die Kinder wohl Monate im Heim bleiben. Die Familie lebt unter einfachsten Verhältnissen ohne Strom und fließend Wasser in der Nähe des Abruzzen-Ortes Palmoli. Dessen Bürgermeister Giuseppe Masciulli sagte der Agentur Ansa, der Vater dürfe am ersten Weihnachtstag zweieinhalb Stunden mit den drei kleinen Kindern und seiner Frau im Kinderheim verbringen. Genehmigt wurde demnach ein Besuch von 10.00 bis 12.30 Uhr. Die Behörden hatten dem britisch-australischen Elternpaar angesichts der Lebensumstände im November das Sorgerecht vorübergehend entzogen und das achtjährige Mädchen und zwei sechsjährige Zwillingsgeschwister vorläufig im Heim untergebracht. Das Jugendgericht von L'Aquila erneuerte nun den Beschluss - und ordnete ein Gutachten über die Kompetenzen und die psychologische Verfassung der Eltern an. Bis zum Abschluss der Untersuchungen sollen die Kinder im Heim bleiben. Für das Gutachten soll eine Psychiaterin 120 Tage Zeit haben, berichten italienische Medien. Manche Kommentatoren äußerten Unverständnis. Was seien zweieinhalb Stunden - ausgerechnet an Weihnachten, hieß es bei dem konservativen Mediaset TGcom24. Auch der Vize-Ministerpräsident und Chef der rechten Regierungspartei Lega, Matteo Salvini, meldete sich erneut zu Wort. «Schande ohne Ende», wetterte Salvini auf der Plattform X. «Man sollte den psychischen Zustand eines anderen überprüfen, nicht den von zwei Eltern, die ihre Kinder jahrelang großgezogen, gepflegt, erzogen und geliebt haben, bevor die "Justiz" das Leben einer ruhigen und anständigen Familie ruinierte.» Die Eltern hatten sich für ein Leben jenseits der Konsumgesellschaft entschieden. Sozialdienste wie auch die Richter beurteilten die Situation im Wald unter anderem wegen der hygienischen Umstände, vor allem aber wegen der Bildungsrückstände der Kinder als ungeeignet. Das achtjährige Mädchen könne weder Englisch noch Italienisch lesen und schreiben, hieß es. Die Kinder sahen Medien zufolge im Heim erstmals Lichtschalter und eine Dusche. Die Familie war ins Visier des Jugendamts gekommen, als die Kinder vor etwa einem Jahr mit Pilzvergiftung ins Krankenhaus kamen.Zweieinhalb Stunden an Weihnachten
Salvini: Schande ohne Ende
Erstmals Dusche gesehen
Bildnachweis: © Domenico Stinellis/AP/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Italiens «Waldfamilie» an Weihnachten nur kurz vereint
Sie führten ein Aussteiger-Leben, doch nun sind die Kinder im Heim und die Eltern bekommen ein Psycho-Gutachten: Das Schicksal der «Waldfamilie» bewegt Italien. Warum griff das Jugendamt ein?
Meistgelesene Artikel
- 3. Oktober 2026
Ähnelte KZ-Kleidung: Zara zieht Kostüm zurück
Zara nimmt ein Halloween-Kostüm aus dem Sortiment. Die Modekette reagiert auf Kritik, das Design erinnere an KZ-Häftlingskleidung aus der NS-Zeit.
- 28. September 2026
Lippstädter Moonlight Shopping im Herbst 2026
Moonlight Shopping am 9.10. bis 22 Uhr: shoppen und Wein verkosten in der Lippstädter Innenstadt, dazu das Jubiläumsglas „100 Jahre Herbstwoche".
- 11. September 2026
Neue Bauordnung NRW: Was Bauherren in Lippstadt jetzt wissen müssen
Seit dem 1. September gilt in NRW eine neue Bauordnung: kürzere Fristen, Bauantrag nur noch digital, Dachausbau oft ohne Genehmigung.
Neueste Artikel
- 8. Oktober 2026
Verkehrskontrollen im Stadtgebiet Soest - Polizei zieht Bilanz
Soest (ots) - Am Mittwoch (07.10.2026) führte die Polizei Soest einen Schwerpunkteinsatz Verkehr durch. Kontrolliert...
- 8. Oktober 2026
Streift ein Puma durch Oberbayern? Was bisher bekannt ist
Spaziergänge vermeiden, Kinder nicht aus den Augen lassen: Nach einer möglichen Raubkatzen-Sichtung rufen Behörden nahe dem Münchner Flughafen zur Vorsicht auf. Was ist da unterwegs - und warum?
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 8. Oktober 2026
Streift ein Puma durch Oberbayern? Was bisher bekannt ist
Spaziergänge vermeiden, Kinder nicht aus den Augen lassen: Nach einer möglichen Raubkatzen-Sichtung rufen Behörden nahe dem Münchner Flughafen zur Vorsicht auf. Was ist da unterwegs - und warum?
- 8. Oktober 2026
Viele Hinweise zu Mord an «Bierkönig»-Gründer auf Mallorca
Fast 30 Jahre nach dem Mord an Manfred Meisel kommt Bewegung in den Fall. Mehrere Zeugen meldeten sich, nachdem die Sendung «Aktenzeichen XY… International» die Tat aufgegriffen hat.

