Schrittzähler am Arm, Blutdruck-App am Finger, Heizung per Sprachbefehl – gibt es bald auch die digital überwachte «smart cat»? Das Internet ist voll von Angeboten für intelligente Türklappen, GPS-Tracker, Futterautomaten und Bezahl-Apps. Und Katzen sind mit Abstand die beliebtesten Haustiere in Deutschland, ihre Zahl wird auf rund 15 Millionen geschätzt. Was kann Hightech für Samtpfoten – und ist das sinnvoll? Ein kleiner Check anlässlich des Weltkatzentages am 8. August. Viele Halter kennen die bangen Stunden, wenn ihre Freigänger-Fellnase nicht zur gewohnten Zeit nach Hause kommt. Wo ist sie, ist ihr etwas passiert? Die Tech-Industrie bietet für diese Unsicherheit Tracker an. Die GPS-Geräte an einem Halsband sind etwa halb so groß wie eine Streichholzschachtel. Miezes Rundgang durch ihr Revier lässt sich so per Handy oder Computer verfolgen. Der Deutsche Tierschutzbund hält jedoch gar nichts von den GPS-Trackern. «Bei Halsbändern besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Katzen können beim Klettern daran hängenbleiben», sagt Sprecherin Nadia Wattad. Wissenschaftliche Studien aus Skandinavien fanden heraus, dass die meisten Katzen sich ohnehin selten sehr weit von ihrem Zuhause entfernen. In einer dänischen einwöchigen Untersuchung verbrachten die Tiere im Schnitt 5 Stunden draußen und liefen dabei rund 2,4 Kilometer. Dabei durchstreiften sie in etwa eine Fläche in der Größe von fünf Fußballfeldern. Zu dieser Frage hat die Tierärztliche Hochschule Hannover zusammen mit der Universität Tel Aviv vor drei Jahren eine Studie aufgesetzt. Speziell für Samtpfoten trainierten die Forschenden zwei unterschiedliche KI-basierte Modelle. Damit wollten sie testen, ob Künstliche Intelligenz am Gesichtsausdruck von Katzen Schmerzen ablesen kann. «Das ist in der Tiermedizin schon für Menschen nicht einfach», erläutert Wissenschaftlerin Sabine Kästner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Denn Katzen verstecken Schmerzen, um nicht schwach zu wirken.» Sie seien zwar Beutegreifer, aber sie könnten auch zur Beute von anderen Tieren werden. «Deshalb verkriechen sie sich bei Schmerzen auch vor Menschen, entweder draußen oder etwa unter dem Bett.» Dennoch gebe es im eher unbeweglichen Gesichtsausdruck einer Katze Anhaltspunkte, die auf Unwohlsein oder Schmerzen hindeuten können: die Stellung der Ohren, die Augenpartie und auch die Mimik rund um das Mäulchen. Wer war im Ergebnis erfolgreicher bei der Schmerzerkennung – die KI oder Tierärztin und Tierarzt? «Das können wir bisher nicht sagen», sagt Forscherin Kästner. Die KI sei von ihren messbaren Trefferquoten her nicht besser gewesen als der Mensch. «Doch ein Riesenvorteil von KI ist, dass sie keine schlechten Tage hat wie wir», sagt Tierärztin Kästner. Und nicht jeder Veterinär sei ein Katzenspezialist. Das Wissen um visuelle Merkmale von Schmerzen bei Katzen hat inzwischen Einzug bei Bezahl-Apps gefunden. Hält Kästner es für sinnvoll, wenn damit der Gesichtsausdruck der Tiere fotografiert wird? «Wenn Katzen merken, dass wir sie beobachten und dann noch mit einem Smartphone vor ihrer Nase herumfuchteln, kann allein das schon von Schmerzen ablenken», sagt die Tierärztin. Hilfreich sei deshalb eher eine Serie von Fotos über einem längeren Zeitraum – aber nicht als einziges Kriterium. Erfahrene Halter würden ihre Miezen oft so gut kennen, dass sie eine veränderte Mimik und Verhaltensänderungen wie Verkriechen, eine niedrige Kopfhaltung oder mangelnden Hunger auch ohne technische Hilfe bemerkten. Manche Freigänger-Katzen tragen, tiermedizinisch unbedenklich, einen Mini-Chip mit Informationen über ihr Zuhause unter der Haut, falls sie verloren gehen. Auch smarte Katzenklappen können diese Chips lesen. Nur das eigene Tier hat so Zuhause Zutritt. Manche Klappen mit Kameras verriegeln den Eingang, wenn die Mieze Beute im Maul trägt. Smarte Futterautomaten helfen, das Ernährungsmanagement zu verbessern. Überdies können Webcams Stubentiger im Visier haben. Das alles schade Katzen nicht, heißt es beim Tierschutzbund. «Klar ist aber auch, dass technische Hilfsmittel eine verantwortungsvolle Tierhaltung nicht ersetzen können», betont Sprecherin Wattad. Denn auch Hauskatzen werden nicht gern alleingelassen. Nach den jüngsten Zahlen des Branchenverbands der digitalen Wirtschaft, Bitkom, hatten 2024 rund vier Prozent der Bundesbürger intelligente Haustier-Tools im Einsatz. Grundsätzlich sei anzunehmen, dass – wie beim Menschen – ein Trend zur zunehmenden Technisierung und Datenerfassung auch den Heimtierbereich erfasse, heißt es beim Tierschutzbund. Die Versprechen der Werbung sind dabei beinahe grenzenlos und reichen von selbstreinigenden Katzentoiletten bis hin zu und Miau-Apps für eine bessere Kommunikation mit den Vierbeinern. Der Tierschutzbund ordnet ein: «Technologien sind abzulehnen, wenn sie dem Tier schaden. Akzeptabel, wenn sie lediglich dem Menschen nutzen, ohne das Tier zu beeinträchtigen. Und sinnvoll, wenn sie nachweislich dem Tierwohl dienen», sagt Wattad.Ortung per GPS-Tracker umstritten
Schmerzerkennung per KI?
Mensch oder Maschine – wer ist besser bei der Diagnose?
Apps mit Gesichtserkennung sollen unterstützen
Hightech bei der Katzenklappe und am Futterplatz
Wachstumsmarkt vermutet
Bildnachweis: © Christoph Soeder/dpa/dpa-tmn
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GPS und KI: Wie viel Hightech braucht meine Mieze?
Kann KI erkennen, ob eine Katze Schmerzen hat? Smarte Technologie ist auch für Samtpfoten im Kommen. Doch ist das alles gut für die Vierbeiner? Das sagen Tierschützer und Veterinäre.
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