28. März 2025 / Aus aller Welt

Zwischen Panik und Sirenen: Bangkok erlebt seltenes Erdbeben

In der Glitzermetropole Bangkok sind starke Erdbeben eher die Ausnahme - bisher zumindest. Eindrücke von einem dramatischen Freitag.

In Bangkok stürzte ein im Bau befindliches Hochhaus ein.
Veröffentlicht am 28. März 2025 um 14:24 Uhr von Carola Frentzen, dpa

Es ist Mittagszeit in Bangkok. Cafés, Garküchen und Restaurants sind voll besetzt, als plötzlich die Erde in Thailands Hauptstadt zu wackeln beginnt. Die Menschen schauen sich zunächst über die Tische hinweg fragend an, keiner scheint so recht zu wissen, was gerade passiert oder was er tun soll. Denn Erdbeben in Bangkok sind selten - und sehr starke Beben noch seltener. Aber als die Erdstöße stärker werden, beginnt die große Flucht.

Stadtteil Silom. Hier stehen viele Hochhäuser, die Gegend gilt als «Wall Street» von Bangkok mit unzähligen Büros und Shopping Malls. Innerhalb von wenigen Minuten füllt sich die Hauptstraße Silom Road mit vielen Tausend Menschen. Aus allen Gebäuden rennen sie auf die Straßen, manche schreien panisch. Denn die Erde scheint sich gar nicht mehr beruhigen zu wollen.

Epizentrum lag 1.300 Kilometer entfernt

Die US-Erdbebenwarte USGS bezifferte das Beben auf die Stärke 7,7 in geringer Tiefe von nur zehn Kilometern. Das Epizentrum lag dabei gar nicht in Thailand, sondern im Nachbarland Myanmar, nahe der Millionenstadt Mandalay - rund 1.300 Kilometer entfernt. Hier sollen Dutzende Menschen gestorben sein.

Das frühere Birma ist ohnehin seit Jahrzehnten schwer gebeutelt: Das Militär hat sich 2021 wieder an die Macht geputscht und regiert das Land seither mit eiserner Faust und extremer Gewalt.

Aber auch in Bangkok bebt es gewaltig - anders als etwa in beliebten Touristenzielen wie der größten Insel Phuket oder auf Koh Samui im Süden des Landes. Dort sei gar nichts zu spüren gewesen, berichten Deutsche von dort. 

Neubau stürzt ein

In Bangkoks Stadtteil Chatuchak, der für seinen riesigen Wochenendmarkt auch bei Touristen beliebt ist, stürzt ein im Bau befindliches Hochhaus ein. Später werden hier laut Medien drei Tote gefunden, Dutzende weitere Menschen werden am Abend noch vermisst.

Überall in der Glitzermetropole stehen die Menschen ratlos und ängstlich auf den Straßen - aber die Lage ist ruhig und geordnet, ganz typisch für Thailand. Aus den Krankenhäusern werden derweil Patienten in Rollstühlen vorsichtshalber auf die Bürgersteige geschoben.

«Wie krass! So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt der Australier David, der Freunde in der Stadt besucht. «Das hätte ich in Bangkok nie erwartet.» Um ihn herum versuchen unzählige Thais, ihre Familienangehörigen telefonisch zu erreichen - aber teilweise gibt es kein Netz mehr, weil die Leitungen so überlastet sind.

Sirenen und große Angst

Der Verkehr ist mittlerweile völlig zum Erliegen gekommen, auch der Skytrain - eines der beliebtesten öffentlichen Verkehrsmittel Bangkoks - steht still. Einsatzkräfte eilen herbei und geben den Menschen die Anweisung, unbedingt auf den Straßen zu bleiben. Auch eineinhalb Stunden nach dem Beben befürchten sie noch Nachbeben. Das stärkste, ein paar Minuten nach dem Hauptbeben, wurde immerhin mit 6,4 beziffert.

Später sind noch stundenlang Sirenen zu hören. In sozialen Medien erzählen Anwohner, aber auch Touristen, wie sie aus den wackelnden Wolkenkratzern geflohen sind, darunter auch aus bekannten Hotels. Viele mussten 20 oder 30 Stockwerke die Treppen hinunterlaufen. Die meisten Aufzüge waren gesperrt.

«Die Wände haben Risse bekommen, und es hat sich angehört, als ob das Gebäude einstürzt», schreibt eine Deutsche auf Facebook. Andere berichten, sie hätten in oberen Etagen minutenlang auf dem Boden gesessen, weil alles so stark gebebt habe.

Wie groß die Schäden in der Megametropole sind, ist zunächst unklar - viele Verletzte scheint es aber nicht zu geben. Die bei Urlaubern aus aller Welt beliebte Stadt ist nach einem dramatischen Tag einigermaßen glimpflich davongekommen.


Bildnachweis: © Wason Wanichakorn/AP/dpa
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