27. August 2026 / Aus aller Welt

Norwegen bangt um seinen König: Haralds Zustand «sehr ernst»

Der Gesundheitszustand des norwegischen Königs Harald V. hat sich abermals verschlechtert. Seine Familie eilt zum Krankenhaus - auch Marius Borg Høiby.

Norwegen sorgt sich um König Harald.
Veröffentlicht am 27. August 2026 um 17:43 Uhr von Julia Wäschenbach, dpa

Der große Platz vor dem Königlichen Schloss in Oslo war mit Blumen übersät. Hunderte Menschen waren gekommen, um Anteil zu nehmen an der großen Sorge um König Harald V.: Der Gesundheitszustand des norwegischen Monarchen hatte sich in der Nacht zu Donnerstag erneut verschlechtert. Die engste Familie des 89-Jährigen eilte daraufhin zum Reichskrankenhaus der Hauptstadt. Am Nachmittag teilte der Hof mit, Haralds Zustand sei «unverändert».

Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sagte seinen Deutschlandbesuch und ein für den Abend geplantes Essen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin ab. Die Nachrichten aus dem Krankenhaus berührten ihn zutiefst, teilte er auf Facebook mit. Auch weitere hochrangige Politiker des skandinavischen Landes sagten Termine und Reisen ab - ebenso wie Thronfolger Kronprinz Haakon und Haralds Frau Königin Sonja.

Wie auf Fotos zu sehen war, kamen Haakon und seine Frau Kronprinzessin Mette-Marit am Morgen gemeinsam im Auto am Krankenhaus an. Auch Marius Borg Høiby, Mette-Marits Sohn aus einer vorherigen Beziehung, sowie die gemeinsamen Kinder von Haakon und Mette-Marit, Erbprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, machten sich auf den Weg zum Krankenbett. Dort leistete auch die Schwester des Königs, Prinzessin Astrid, Beistand. Erst am Nachmittag wurden die Mitglieder der Königsfamilie teilweise bei der Abfahrt fotografiert. 

Der älteste regierende Monarch Europas

Auf dem Schlossplatz lagen sich die Menschen teilweise in den Armen, manche hatten Tränen in den Augen. «Er war eine Vaterfigur für ein Land», sagte der Norweger David Hansen vor Ort der Deutschen Presse-Agentur. Emotional sichtlich bewegt ergänzte er, alle Generationen müssten einen Weg zu sich selbst finden. «Und er hat das für uns gemacht».

Harald ist der älteste regierende Monarch Europas - er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit teils schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Den Thron hat Harald 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. bestiegen. Seine große Liebe Sonja heiratete er schon 1968.

In der vergangenen Woche war Harald erneut ins Krankenhaus gekommen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut - war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu. Zuletzt hatte es geheißen, er habe auf die Antibiotika angesprochen.

Die Nachrichtenagentur NTB zitierte einen Adelsexperten, der die Mitteilung des Hofes zum Gesundheitszustand als Zeichen wertete. Die klare Wortwahl sei offensichtlich ein Grund zur Sorge, sagte Ole-Jørgen Schulsrud-Hansen. Normalerweise seien solche Mitteilungen in einer sehr abgewogenen Sprache verfasst.

Was passiert, wenn Harald stirbt?

Seine Landsleute schätzen den König für seine zurückhaltende Art - und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Im Zuge der Flüchtlingskrise positionierte er sich 2016 mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner. Beliebt ist der Monarch auch wegen seines trockenen Humors und seiner Begeisterung für den Sport.

Für den Fall des Todes des amtierenden Monarchen ist die Thronfolge in Norwegen klar geregelt. Wenn ein Staatsoberhaupt stirbt, übernimmt sein Nachfolger - also Kronprinz Haakon - im selben Augenblick den Thron. Hier gilt der Ausdruck: «Kongen er død - Leve Kongen». Übersetzt bedeutet das: «Der König ist tot - Es lebe der König.»

Als wichtigster Termin gilt nach Angaben des Königshauses der verpflichtende Eid des neuen Königs auf die Verfassung, der von einer feierlichen Zeremonie begleitet wird. Schließlich werden der König und die Königin - in diesem Fall Kronprinzessin Mette-Marit - in der Regel einer Tradition zufolge gesegnet.

Nach Angaben des Osloer Hofes gibt es die Segnung seit 1163, damals noch als Teil einer Krönungszeremonie. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Krönungsklausel der Verfassung jedoch aufgehoben. Mit König Olav wurde 1958 eine neue Segnungszeremonie eingeführt, die Harald und Sonja 1991 fortführten. Auf die Segnung folgt traditionell eine Reise durch Norwegen.


Bildnachweis: © Julia Wäschenbach/dpa
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