19. August 2026 / Aus aller Welt

Feuer im Hohen Venn eingekesselt – Evakuierung aufgehoben

Rund 3.000 Hektar Natur sind zerstört, doch in Monschau ist die Evakuierung im Ortsteil Kalterherberg beendet. Die Bewohner dürfen zurück. Und der Regen spielt der Feuerwehr in die Karten.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul lässt sich an der deutsch-belgischen Grenze an einer Wassertankstation die Lage erläutern.
Veröffentlicht am 19. August 2026 um 21:28 Uhr von dpa

Der große Brand im Hohen Venn in Belgien ist nach Behördenangaben von Feuerwehrleuten eingekesselt worden - es gibt aber noch keine komplette Entwarnung. Es sei eine «positive Entwicklung vor Ort», sagte der Gouverneur der belgischen Provinz Lüttich, Hervé Jamar. Einsatzkräfte kämpfen seit Freitag gegen das Feuer im Naturschutzgebiet nahe der deutschen Grenze. 

Das Feuer, das bislang rund 3.000 Hektar zerstört hat, ist allerdings noch nicht unter Kontrolle: «Da sind wir noch nicht», sagte ein Sprecher des Gouverneurs laut Nachrichtenagentur Belga. In der Nacht seien Brände mehrfach wieder aufgeflammt. 

Gouverneur von Lüttich: Feuer eingedämmt, aber aktiv

«Die Lage des Brandes ist weiterhin unverändert», teilte Jamar auch am Abend auf seiner Homepage mit. Der Brand sei eingedämmt, das Feuer aber weiter aktiv. Vereinzelte auftretende neue Brandherde würden von den Einsatzkräften vor Ort unter Kontrolle gehalten, so der Gouverneur. Am Donnerstag könnte dann - bei günstigeren Wetterbedingungen als zuletzt - das Feuer wieder mit Unterstützung aus der Luft bekämpft werden. Auch freiwillige Feuerwehrleute brauche es weiter zur Unterstützung. 

Auch in dem vom Waldbrand in Deutschland bedrohten Ort Monschau herrschte vorsichtiger Optimismus. Das Feuer weite sich nicht weiter in Richtung deutschen Staatsgebiets aus, sagte eine Sprecherin. 

Nach einer Lagebesprechung teilte die Stadt Monschau am Abend mit, die Feuerwehr habe im Venn leichte Erfolge erzielt. «Der Regen der letzten Stunden hat der Feuerwehr in die Karten gespielt und die Löschmaßnahmen begünstigt.» Auch die Rauchintensität habe etwas abgenommen. Aktuell seien noch 170 Kräfte im Einsatz.

Evakuierung aufgehoben

Wegen der sich entspannenden Lage auf der belgischen Seite hatte die Stadt bereits am Nachmittag die Evakuierung mehrerer Straßenzüge im Ortsteil Kalterherberg aufgehoben. Rund 30 Bürgerinnen und Bürger durften zurück in ihre Häuser. Die Stadt hatte sie am Sonntag aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. 

Keine Gefahr durch Brandgeruch

Trotz des weithin wahrnehmbaren Brandgeruchs auch auf deutscher Seite wegen des anhaltenden Großfeuers gibt es eine Entwarnung für die angrenzende Städteregion Aachen: Die gemessenen Schadstoffkonzentrationen in der Luft lägen alle unterhalb der Orientierungs- und Grenzwerte für schwere gesundheitliche Auswirkungen, teilte die Städteregion mit.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) Nordrhein-Westfalen habe an zahlreichen Orten mit zwei Messfahrzeugen kontrolliert, etwa im Bereich von Kitas, Altenheimen, Arztpraxen und Krankenhäusern. Allgemein würden bei Waldbränden natürlich Luftschadstoffe freigesetzt, stellte die Behörde fest. Bei den Messungen sei insbesondere eine erhöhte Belastung bei Feinstaub registriert worden. 

Reul warnt vor Spekulationen

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat vor Spekulationen über den Auslöser des Waldbrandes im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn gewarnt. «Das hat keinen Sinn», sagte der CDU-Politiker am Morgen in Monschau. Die Ursache müsse sorgfältig geprüft werden. Wenn man Täter ermitteln könne, müssten diese auch vor Gericht gestellt werden.

Wenn das nicht gelinge, bleibe nur der grundsätzliche Appell, sich nicht verantwortungslos im Wald zu bewegen, keine Zigarettenkippen wegzuwerfen oder zu grillen, sagte der NRW-Innenminister. Er äußerte sich zu Gerüchten, wonach Wildcamper den Waldbrand im belgischen Nachbarland ausgelöst haben könnten.

Bei einem ersten Besuch im Brandgebiet Hürtgenwald hatte Reul am Samstag gesagt: «Irgendein Idiot hat das Feuer verursacht. Und darüber muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen.»

WWF: Natur im Hohen Venn braucht Jahrzehnte zur Erholung

Die Umweltorganisation WWF sieht einen enormen ökologischen Schaden durch das Feuer. «Es wird Jahrzehnte dauern, bis die Natur sich erholt hat», sagte Corentin Rousseau vom WWF Belgien der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws». «Durch die große Menge Asche ist das Gleichgewicht im Boden gestört.» 

Auch ein Wiederansiedlungsprojekt für seltene Auerhühner ist nach Einschätzung von Fachleuten akut gefährdet, wenn nicht gescheitert. 35 der Tiere waren im Frühjahr im Hohen Venn ausgesetzt worden, wie die Zeitung «De Standaard» berichtete. Der Biologe Tobias Ceulemans von der Universität Antwerpen sagte, er rechne nicht damit, dass die Kolonie überlebe: «Ihr Lebensraum lag mitten in dem 3.000-Hektar-Gebiet, das im Hohen Venn in Flammen aufgegangen ist.»


Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
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