10. Juli 2026 / Aus aller Welt

Familie von Anschlagsopfer: «Wir hören jeden Tag die Hetze»

Zehn Jahre nach dem rassistischen Anschlag in München fühlen sich Hinterbliebene unsicher. Der Hauptgrund: Alltagsrassismus und Hetze. Die Mutter eines Opfers äußert sich.

Sibel (r) und Hasan (l) Leyla haben bei dem rassistischen Anschlag ihren Sohn Can verloren.
Veröffentlicht am 10. Juli 2026 um 04:00 Uhr von dpa

Zehn Jahre nach dem rassistischen Anschlag mit neun Toten beim Olympia-Einkaufszentrum in München fühlen sich Hinterbliebene unsicher in Deutschland. «Wir hören jeden Tag die Hetze von der AfD, von den Politikern, über Migranten, über Muslime, dass wir nicht zu diesem Stadtbild gehören, dass wir nicht hierhergehören», sagte Sibel Leyla, deren 14-jähriger Sohn Can am 22. Juli 2016 getötet wurde. «Wie sollen wir uns hier in diesem Land oder in dieser Stadt wohlfühlen und sicher fühlen?» Sie habe immer den Gedanken, dass ihrer Familie etwas zustoßen könne. «Mit diesem Wissen leben wir weiter.» 

Schmerzhafte Erklärung

Dabei begreifen sich Familien wie die Leylas als Teil von München und Deutschland. «Wenn ich denke, dass wir immer noch uns erklären müssen, dass wir zu dieser Stadt oder zu diesem Land gehören, das ist einfach schmerzhaft», so Leyla, die vor allem junge Menschen dazu aufruft, nicht still zu sein, sondern auf die Straße zu gehen. «Wir müssen einfach eine Haltung zeigen gegen Rassismus!» 

Bei dem Anschlag erschoss ein 18-Jähriger in einem Schnellimbiss und der Umgebung acht Jugendliche und eine erwachsene Frau, dann tötete er sich selbst. Weitere Menschen wurden verletzt. Die Ermittlungsbehörden sprachen erst von einem Amoklauf, stuften die Tat drei Jahre später aber doch als rassistisch motiviert ein. 

Als «Amoklauf verharmlost»

Die Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt kritisiert, die Tat sei lange «als unpolitischer Amoklauf verharmlost» worden. Erst nach anhaltendem Druck der Angehörigen und Unterstützerinnen und Unterstützer seien unabhängige Gutachten in Auftrag gegeben, auf deren Grundlage auch weitere Behörden die Tat als rechtsterroristisches und rassistisches Attentat eingeordnet hätten. Bis heute gebe es offene Fragen, mit denen man sich auseinandersetzen müsse. 

An einer Gedenkfeier am Tatort am 22. Juli will auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilnehmen. Zum Tatzeitpunkt um 17.51 Uhr ist nach Angaben der Stadt zudem eine Schweigeminute geplant.


Bildnachweis: © Sven Hoppe/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Feierabend trifft Sommerfeeling: Neue Konzertreihe der KWL startet im Kurpark Bad Waldliesborn
Stadt Lippstadt

Wenn die Temperaturen angenehm bleiben, die Sonne langsam untergeht und der Arbeitstag geschafft ist, gibt es kaum etwas...

weiterlesen...
Polizei beendet Geiselnahme in Berlin - Frau gerettet
Aus aller Welt

Kurz vor Feierabend bringt ein Mann in einem Supermarkt eine Frau in seine Gewalt. Es folgt ein stundenlanger Nervenkrieg. Die Polizei verhandelt - dann stürmt sie das Gebäude.

weiterlesen...
100 Jahre Herbstwoche: Attraktive Fahrgeschäfte sorgen vom 16. bis 25. Oktober für Kirmesvergnügen
Stadt Lippstadt

Die Vorfreude wächst: Die Herbstwoche feiert vom 16. bis 25. Oktober ihr 100-jähriges Bestehen. Jetzt stehen auch die...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Freier Fall in die Tiefe: Apnoetaucher will Rekord brechen
Aus aller Welt

Der Apnoetaucher Minja Marinković will im Starnberger See einen neuen deutschen Rekord aufstellen. Wie fühlt es sich an, in völliger Dunkelheit und bei neun bar Druck 85 Meter tief zu tauchen?

weiterlesen...
GPS und KI: Wie viel Hightech braucht meine Mieze?
Aus aller Welt

Kann KI erkennen, ob eine Katze Schmerzen hat? Smarte Technologie ist auch für Samtpfoten im Kommen. Doch ist das alles gut für die Vierbeiner? Das sagen Tierschützer und Veterinäre.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Freier Fall in die Tiefe: Apnoetaucher will Rekord brechen
Aus aller Welt

Der Apnoetaucher Minja Marinković will im Starnberger See einen neuen deutschen Rekord aufstellen. Wie fühlt es sich an, in völliger Dunkelheit und bei neun bar Druck 85 Meter tief zu tauchen?

weiterlesen...
GPS und KI: Wie viel Hightech braucht meine Mieze?
Aus aller Welt

Kann KI erkennen, ob eine Katze Schmerzen hat? Smarte Technologie ist auch für Samtpfoten im Kommen. Doch ist das alles gut für die Vierbeiner? Das sagen Tierschützer und Veterinäre.

weiterlesen...