5. Juni 2025 / Aus aller Welt

Falcone-Attentäter nach drei Jahrzehnten auf freiem Fuß

Im Auftrag der Mafia brachte er mehr als 100 Menschen um - auch den Top-Juristen Giovanni Falcone. Jetzt ist die Strafe verbüßt. Die Schwester des Mafiajägers äußert tiefen Schmerz - und Verständnis.

Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an dem Mafiajäger Giovanni Falcone ist einer der Attentäter nun wieder frei. (Foto: Archiv)
Veröffentlicht am 5. Juni 2025 um 15:04 Uhr von dpa

Mehr als 30 Jahre nach der Ermordung des Mafiajägers Giovanni Falcone auf Sizilien ist eine der zentralen Figuren des Attentats wieder ein freier Mann. Der frühere Mafiakiller Giovanni Brusca hat seine gesamte Haftstrafe samt anschließender Bewährung verbüßt, wie die italienischen Justizbehörden mitteilten. Der 68-Jährige arbeitete nach seiner Festnahme mit der Justiz zusammen. Inzwischen lebt er außerhalb von Sizilien unter anderem Namen in einem Zeugenschutzprogramm.

Brusca hatte zugegeben, im Mai 1992 bei dem Bombenanschlag auf Falcones Autokolonne den Zünder ausgelöst zu haben. Der Jurist war eine der Symbolfiguren im Kampf gegen Italiens organisierte Kriminalität. Bei dem Anschlag auf einer Autobahn in der Nähe der sizilianischen Hauptstadt Palermo wurden auch seine Frau und drei Leibwächter getötet. Das Attentat machte Schlagzeilen weltweit.

Auch viele andere Mafia-Morde auf dem Konto 

Vier Jahre später wurde der Mafioso festgenommen. Anschließend sagte er als Zeuge aus. Brusca ermordete nach eigenen Angaben mehr als hundert Menschen. Der Ex-Vertraute des verstorbenen Cosa-Nostra-Bosses Salvatore Riina gab auch ein anderes spektakuläres Verbrechen zu: die Entführung und Ermordung des Sohnes eines Kronzeugens gegen die Mafia. Der Leichnam des Kindes wurde später in Salzsäure aufgelöst.

Wegen des Attentats auf Falcone war das ehemalige Cosa-Nostra-Mitglied zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Bereits im Mai 2021 wurde Brusca aus dem Gefängnis entlassen. Seither musste er sich jedoch noch regelmäßig bei der Polizei melden. Seit Ende Mai sind nun alle Auflagen weg. 

Die Schwester seines Mordopfers, Maria Falcone, äußerte «Schmerz und tiefe Bitterkeit». Zugleich verwies sie darauf, dass die Freilassung Folge eines Gesetzes sei, das ihr Bruder gewollt habe, um die Mafia von innen heraus zu zerschlagen.


Bildnachweis: © Nino Labruzzo/AP/dpa
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