13. Mai 2026 / Aus aller Welt

YouTuber muss für Maskottchen-Coup bei EM Strafe zahlen

Er führte die UEFA an der Nase herum, doch nun bekommt er selbst die Quittung. Obwohl das Gericht seine journalistische Arbeit anerkennt, muss Wildhage für seine Aktion mit dem Fake-Maskottchen büßen.

YouTuber Marvin Wildhage hatte es als falsches EM-Maskottchen beim Eröffnungsspiel bis zum Spielfeld geschafft.
Veröffentlicht am 13. Mai 2026 um 17:55 Uhr von dpa

YouTuber Marvin Wildhage muss Tausende Euro Strafe zahlen, weil er sich als Fake-Maskottchen beim EM-Eröffnungsspiel in München bis aufs Spielfeld geschmuggelt hatte. Konkret geht es um 60 Tagessätze zu je 150 Euro, zudem werden 5.400 Euro aus mit den Videos erzielten Einnahmen eingezogen. Der Webvideoproduzent habe sich der Urkundenfälschung und des Erschleichens von Leistungen schuldig gemacht, begründete die Richterin des Amtsgerichts München ihr Urteil.

«Der Angeklagte ist ein investigativer Journalist, das spricht ihm hier keiner ab. Es spricht ihm auch keiner ab, dass hier Sicherheitslücken aufgedeckt werden sollten», betonte sie. Es gebe aber keinen Freibrief für Journalisten, im Rahmen der Recherche Straftaten zu begehen. «Urkundenfälschung ist wirklich kein Kavaliersdelikt.» Der 29-Jährige hatte sich beim Eröffnungsspiel der Fußball-EM im Juni 2024 mithilfe eines nachgemachten Maskottchen-Kostüms und gefälschter Akkreditierung ohne Berechtigung im Innenraum des Stadions aufgehalten. 

YouTuber verteidigte Aktion als investigativen Journalismus

Die Richterin folgte mit ihrer Entscheidung der Forderung des Staatsanwalts. Auch dieser hatte nach eigenen Worten berücksichtigt, dass Wildhage ein journalistisches Ziel gehabt habe und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte leisten wollte. Wildhages Verteidigerin hingegen plädierte auf Freispruch. «Journalismus hat die Aufgabe, zu überprüfen, zu hinterfragen und zu kontrollieren, und genau das hat mein Mandant getan.»

Wildhage selbst hatte seine Aktion zu Beginn des Prozesses als investigativen Journalismus verteidigt. «Ich sehe es als meine Aufgabe, auf Missstände aufmerksam zu machen, sie in die Öffentlichkeit zu tragen.» Das Sicherheitskonzept der ausrichtenden UEFA habe damals in der Kritik gestanden. 

Der ausgebildete Journalist räumte ein, dass seine Videos aus klassischer Sicht vielleicht ein unübliches Format seien. «Aber das ändert ja trotzdem nichts an der Tatsache, dass meine Arbeit nichts anderes ist als investigativer Journalismus.» Und dieser sollte seines Erachtens nicht bestraft werden.

Enttäuschung nach Urteil 

Nach dem Urteil zeigte sich der YouTuber enttäuscht. Er nehme es sehr wohlwollend wahr, dass Staatsanwaltschaft wie Gericht seine journalistische Arbeit wertschätzten. Aber gerade für die Wertersatz-Einziehung habe er kein Verständnis. Und er müsse sich nun fragen, wie er künftig recherchieren könne - gerade Sicherheitslücken ließen sich nunmal nicht in der Theorie testen.

Akribische Vorbereitungen

Vor Gericht wurde deutlich, wie akribisch sich Wildhage auf seine Aktion vorbereitet hatte. Vieles davon ist auch auf einem Video festgehalten, das der 29-Jährige bei YouTube veröffentlicht hat und inzwischen mehr als 3,1 Millionen Mal angesehen wurde.

Auch ein Mitarbeiter an der Schranke, durch die Wildhage mit zwei Begleitern auf das Stadiongelände gekommen war, bescheinigte ihm einen stimmigen Auftritt. «Der Gesamteindruck war sehr passend», schilderte er. «Allein schon die Wertigkeit des Kostüms!» Auch hätten am Fahrzeug die entsprechenden Logos geklebt, der Fahrer habe die richtige, schwer zu findende Einfahrt angesteuert, das Maskottchen sei von einem - vermeintlichen - Volunteer begleitet worden, und es habe eine Parkberechtigung gegeben. 

Deshalb hätten die Sicherheitsmitarbeiter den Wagen passieren lassen, obwohl sich zwei der Akkreditierungen nicht scannen ließen. Ob dies mit oder ohne Wissen der Zuständigen bei der UEFA geschah, blieb allerdings in der Verhandlung ungeklärt - es steht Aussage gegen Aussage.


Bildnachweis: © Malin Wunderlich/dpa
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