7. März 2025 / Aus aller Welt

Bleimunition wird weiter zur Jagd eingesetzt

Vor fünf Jahren sagten britische Jagdverbände den freiwilligen Abschied von Bleimunition zu – passiert ist kaum etwas. Auch in Deutschland wird noch mit Blei geschossen.

Bei der Moorhuhnjagd wird immer noch vor allem bleihaltige Munition eingesetzt. (Symbolfoto)
von dpa

Die Jagd auf Moorschneehühner hat in Großbritannien eine lange Tradition. Jedes Jahr werden etwa 650.000 der Vögel geschossen. Doch der Einsatz von bleihaltiger Schrotmunition führt zu Sorgen um Gesundheit und Umwelt. Vor fünf Jahren schlugen Jagdverbände einen freiwilligen Verzicht vor. Zwei Untersuchungen zu Moorschneehühnern und Fasanen zeigen nun: Die Jägerinnen und Jäger verwenden weiterhin Bleimunition.

Blei ist ein giftiges Schwermetall

Auch in Deutschland kommt bleihaltige Munition zum Einsatz - nicht nur als Schrotmunition bei der Vogeljagd. Auch Wildschweine, Rehe und Hirsche werden teilweise mit bleihaltigen Kugeln geschossen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) weist darauf hin, dass einer internen Umfrage zufolge ein Großteil der Jägerinnen und Jäger mittlerweile bleifreie Kugeln verwendet. 

Lediglich in und um Feuchtgebiete gilt seit 2023 ein EU-weites Verbot für den Einsatz bleihaltiger Munition, wie Catherina Schlüter erläutert, Referentin für Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Vorher galten in den meisten deutschen Bundesländern bereits ähnliche Verbote für Feuchtgebiete.

Sowohl für Menschen als auch für Wildtiere geht von Blei ein Gesundheitsrisiko aus. Das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärte vor einigen Jahren, Wildfleisch könne durch bleihaltige Munitionsreste stark belastet sein. Das Schwermetall sei giftig und reichere sich im Organismus an. Laut Schlüter erleiden besonders Wasservögel Bleivergiftungen, da sie Bleipellets mit kleinen Stein- oder Sandpartikeln verwechseln und diese schlucken. Auch Greifvögel und Aasfresser könnten infolge vergiftet werden.

Fleisch der Moorhühner belastet

Für die britischen Studien untersuchten Forschende verschiedener Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Großbritannien zahlreiche Vögel. Zum einen waren das 128 Moorschneehühner aus der Jagdsaison 2024/25, wobei sie in 78 Tieren noch Schrotkugeln fanden - alle waren aus Blei. Auch für die 255 inspizierten Fasane galt im gleichen Zeitraum: Steckten noch Kugeln darin, waren sie zu 99 Prozent aus Blei.

Auch im Fleisch der Hälfte der Moorschneehühner, in denen keine Schrotkugeln gefunden wurden, konnte das Forschungsteam Bleikonzentrationen nachweisen, die über den Richtwerten für Zuchttiere liegen. Das, so die Fachleute, sei auf winzige Schrotkugel-Fragmente zurückzuführen, die zu klein seien, um mit bloßem Auge erkannt zu werden. Bleimunition geht in den Tierkörpern auf und verteilt sich.

Insgesamt stellten die Forschenden fest, dass sich die Ergebnisse nicht von Untersuchungen unterschieden, die vor dem Aufruf zum freiwilligen Verzicht durchgeführt wurden. Das Fazit der Wissenschaftler: «Die beabsichtigte freiwillige fünfjährige Umstellung war in Bezug auf die Moorschneehuhnjagd nicht erfolgreich.» Ähnlich äußern sie sich zur Fasanenjagd.

Komplett-Verbot in Dänemark

Nabu-Expertin Schlüter erläutert, dass es neben dem EU-Verbot zu Bleischrot in Feuchtgebieten in Deutschland auch landesrechtliche Verbote zu bleihaltiger Munition gebe. So setzten mehrere Bundesländer auf bleifreie Jagd in ihren Landesforsten und Staatswäldern. In Brandenburg würden zu den Paarhufern zählende Wildarten wie Rehe und Wildschweine seit 2021 landesweit bleifrei gejagt.

Laut Schlüter wird derzeit auf EU-Ebene ein generelles Bleiverbot erörtert und geprüft. «Als Vorreiter für eine giftfreie Umwelt in diesem Zusammenhang gilt Dänemark.» Dort sei bleihaltige Munition seit 2022 komplett verboten.

Der Jagdverband erklärte wiederholt, sich für eine Minimierung von Blei in der Munition nach dem jeweiligen Stand der Technik einzusetzen. «Ein generelles Bleiverbot ist jedoch mit erheblichen Herausforderungen verbunden», sagte Holger Bartels von der Landesjägerschaft Bremen in einem DJV-Video. 

So müssten Schießstände für bleifreie Munition zugelassen werden - was erhebliche bauliche Umrüstungen und somit Kosten bedeute, nämlich etwa ein bis zwei Millionen Euro pro Schießstand. Auch besäßen viele Jägerinnen und Jäger keine Waffen, die mit bleifreier Munition nutzbar seien.


Bildnachweis: © Owen Humphreys/PA Wire/dpa
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