30. Juni 2025 / Aus aller Welt

Nach Anti-Israel-Eklat bei Glastonbury: BBC gibt Fehler zu

Ein Musiker skandiert während einer BBC-Übertragung von der Festival-Bühne in England israelfeindliche Parolen. Die Sendung läuft weiter. Erst auf wachsenden Druck hin entschuldigt sich die Anstalt.

Auch das nordirische Hip-Hop-Trio Kneecap ist wegen ähnlicher Vorwürfe in die Kritik geraten.
Veröffentlicht am 30. Juni 2025 um 14:07 Uhr von dpa

Die BBC hat nach dem israelfeindlichen Eklat beim Musikfestival Glastonbury Fehler zugegeben. Sie bedauere, dass die Live-Übertragung nicht abgebrochen wurde, hieß es in einem Statement der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt.

Ein Mitglied des Punk-Hip-Hop-Duos Bob Vylan hatte bei dem legendären englischen Festival am Wochenende das Publikum aufgefordert, nicht nur «Free, free Palestine», sondern auch «Death, death to the IDF» (Tod den israelischen Streitkräften) zu skandieren. Der Aufritt wurde von der BBC live im Internet gestreamt. 

Nach einem öffentlichen Aufschrei rechtfertigte sich die Rundfunkanstalt zunächst nur damit, dass sie während der Übertragung eine Warnung eingeblendet habe. Sie verurteilte die Äußerungen zudem als «zutiefst verletzend». 

BBC will Richtlinien für Live-Sendungen überprüfen

Doch der Druck stieg zusehends. Premierminister Keir Starmer und weitere Politiker mehrerer Parteien forderten eine Erklärung der BBC. «Es gibt keine Entschuldigung für diese Art der abstoßenden Hassrede», sagte der Labour-Politiker der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge. Auch die britische Medienaufsicht Ofcom teilte mit, sie sei «tief besorgt» und forderte Rechenschaft. 

In der BBC-Mitteilung heißt es nun: «Die antisemitischen Äußerungen von Bob Vylan sind völlig inakzeptabel und haben keinen Platz in unseren Sendungen.» Die Richtlinien für Live-Sendungen sollten zudem überprüft werden, so die Ankündigung. 

Polizei prüft Videomaterial

Die BBC überträgt traditionell große Teile des Kult-Festivals in der englischen Grafschaft Somerset. Auch die israelfeindlichen Szenen waren live zu sehen. Anders als bei einer anderen Gruppe waren offenbar keine Vorkehrungen getroffen worden, obwohl das Duo für kontroverse Äußerungen zum Gaza-Krieg bekannt war.

Der Auftritt der Gruppe Kneecap, gegen die es bereits ähnliche Vorwürfe gab, war hingegen nur mit Verzögerung in der BBC-Mediathek zu sehen. Ein Rapper des nordirischen Hip-Hop-Trios ist wegen einer terroristischen Straftat angeklagt, weil er bei einem Konzert in London eine Hisbollah-Flagge gezeigt haben soll. 

In Glastonbury spielte eines der Kneecap-Mitglieder auf der Bühne öffentlich mit dem Gedanken, Ausschreitungen vor dem Gerichtsgebäude anzuzetteln. Die Polizei teilte inzwischen mit, sie prüfe das Videomaterial von dem Festival auf strafrechtliche Relevanz.

Debatte über Meinungs- und Kunstfreiheit

Die Vorwürfe gegen Kneecap, deren Auftreten an militante Gruppen während des Bürgerkriegs in Nordirland erinnert, hatten eine Debatte über die Grenzen der Meinungs- und Kunstfreiheit in Großbritannien ausgelöst. Zahlreiche Künstler hatten sich hinter die Gruppe gestellt, die ihre Aktionen und Äußerungen als legitime Kritik an der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen betrachten. Premierminister Starmer hatte sich hingegen dafür ausgesprochen, die Band von Glastonbury zu verbannen.

Auf dem Instagram-Account von Bob Vylan war nach dem Vorfall ein Aufruf zu Protest für einen Wandel in der Außenpolitik zu lesen, der sehr viel differenzierter klang als die Parolen vom Festival. Reue war darin nicht aber zu erkennen.

Droht Bob Vylan Visa-Entzug für US-Tournee?

Die Festival-Organisatoren hatten sich bereits kurz nach dem Vorfall deutlich distanziert. Die Parolen von Bob Vylan hätten eine Grenze überschritten, teilten die Organisatoren mit. In Glastonbury gebe es keinen Platz für Antisemitismus, Hassreden oder Aufrufe zur Gewalt.

Das US-Online-Magazin «Daily Wire» berichtete unter Berufung auf das Außenministerium in Washington, es werde bereits geprüft, ob Bob Vylan die Visa für eine geplante Tournee in den USA entzogen werden.


Bildnachweis: © Yui Mok/PA Wire/dpa
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