Anfang des Jahres noch saß ein 41-jähriger Mann als Nebenkläger im Prozess um den aufsehenerregenden Mord an seinem Bruder, dem ehemaligen Profiboxer Besar Nimani. Im selben Gerichtssaal vor dem Landgericht Bielefeld ist er nun zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er für den Tod des Bruders Vergeltung üben wollte. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 41-Jährige im Februar vor dem Landgericht auf mehrere Menschen schoss - als «Akt der Selbstjustiz», wie der Richter es bezeichnete, und um die Macht seiner Familie zu demonstrieren. Vier Menschen wurden damals insgesamt verletzt, darunter auch der Vater und der Bruder des Mannes, der später vom Gericht wegen Mordes am Ex-Boxer Nimani für schuldig befunden wurde. Seine mitangeklagte 31 Jahre alte Schwester wurde ebenfalls wegen versuchten Mordes verurteilt. Gegen sie verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Sie hatte aus einem fahrenden Auto Schüsse auf eines der Opfer angegeben. Die beiden deutschen Angeklagten stammen aus dem Kosovo. Wo die Geschichte eigentlich ihren Anfang nimmt, konnten weder die polizeilichen Ermittlungen noch die gerichtliche Aufarbeitung erhellen. Mit dem brutalen Mord an dem Ex-Boxer Besar Nimani auf offener Straße in Bielefeld im März 2024 jedenfalls erschütterte ein Verbrechen die Stadt, für das ein Motiv nie ermittelt werden konnte. Der damals 38-jährige frühere Mittelgewichtsprofi hatte gerade einen Freund aus einem Friseursalon abholen wollen, als zwei Männer das Feuer auf ihn eröffneten. Insgesamt fielen 16 Schüsse, Nimani verblutete noch am Tatort. Einer der beiden Schützen war im April zu lebenslanger Haft verurteilt worden, die Revision in dem Verfahren läuft noch. Nach einem zweiten Tatverdächtigen wird bis heute gefahndet. Doch noch bevor das Gericht im Verfahren um Nimanis Tod ein Urteil sprechen konnte, nahm die Familie das Recht selbst in die Hand: Am dritten Verhandlungstag Ende Februar hatte der nun angeklagte 41-Jährige das Gerichtsgebäude etwas vorzeitiger verlassen und den Familienangehörigen des Schützen im Fall seines Bruders aufgelauert. Aus einem Hinterhalt eröffnete er das Feuer, schoss mehrfach in die Gruppe. Immer wieder habe er dabei auf den Oberkörper der beiden Männer gezielt, die er töten wollte: Der Vater und der Bruder der verfeindeten Familie. Verletzt wurden auch zwei weitere Zufallsopfer. Die angeklagte 34-Jährige hatte nach Überzeugung des Gerichts wenig später aus einem fahrenden Auto auf ein bereits angeschossenes und fliehendes Opfer mehrere Schüsse abgegeben, um das Werk ihres Bruders zu vollenden, wie der Vorsitzende Richter sagte. In Briefen aus dem Gefängnis hatte der 41-jährige Angeklagte später seine tiefe Verachtung gegenüber der anderen Familie kundgetan. Und auch, dass er die Arbeit der Polizei bei den Ermittlungen zum Mord an seinem Bruder für unzureichend halte, ebenso wie eine lebenslange Gefängnisstrafe für den Täter. Das Gericht glaubte dem Angeklagten nicht, dass er seine Opfer nur hatte verletzen wollen, wie er in seiner Aussage vor Gericht behauptet hatte. Er habe auf den Oberkörper gezielt. Es sei letztendlich dem Zufall zu verdanken, dass die beiden Männer die lebensbedrohlichen Schussverletzungen überlebten, so der Richter. Der 41-jährige Angeklagte hatte vor Gericht eingeräumt, geschossen zu haben, allerdings gab er an, aus Angst und Notwehr gehandelt zu haben. Nach Darstellung der Verteidiger hatten sich die Angeklagten seit Jahren durch Familienangehörige des inzwischen verurteilten Mörders ihres Bruders bedroht gefühlt. Die Verteidiger kündigten bereits kurz nach dem Urteilsspruch an, in Revision gehen zu wollen.Freiheitsstrafe auch für Schwester
Brutaler Mord auf offener Straße
Schüsse aus dem Hinterhalt
Lebenslang reichte ihm nicht
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Blutrache für den Bruder: Lebenslang für Schüsse am Gericht
2024 wurde der Bruder eines 41-Jährigen erschossen - weil er eine lebenslange Strafe für den Schützen für unzureichend hielt, nahm er das Recht selbst in die Hand. Dafür wurde er nun verurteilt.
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