19. Februar 2026 / Aus aller Welt

Acht Tote nach verheerendem Lawinenabgang in Kalifornien

Es ist das folgenschwerste Lawinenunglück in Kalifornien seit mehr als 40 Jahren: Im Sturm arbeiten sich Retter über Stunden ins Unglücksgebiet vor, um Überlebende einer Skitour zu retten.

Mitglieder des Rettungsteams machen sich bei extremen Bedingungen auf den Weg.
Veröffentlicht am 19. Februar 2026 um 00:30 Uhr von Johanna Hänsel, dpa

Es ist das verheerendste Lawinenunglück im US-Bundesstaat Kalifornien seit mehr als 40 Jahren: Nach einem Lawinenabgang nahe Castle Peak im Tahoe-Nationalwald sind acht Menschen tot aufgefunden worden. Ein weiterer wird noch vermisst und gilt wegen der Wucht des Abgangs und der Wetterlage als wahrscheinlich tot, wie Sheriff Shannan Moon sagte. Sechs Menschen überlebten.

Gegen 11.30 Uhr (Ortszeit) war am Dienstag bei der Notrufzentrale ein automatisches Notsignal eingegangen – ausgelöst sowohl durch Lawinen-Verschüttetensuchgeräte als auch über eine Satelliten-SOS-Funktion. Die Gruppe - vier Bergführer und elf Gäste - war auf dem Rückweg einer dreitägigen geführten Skitour im freien Gelände zu den Frog-Lake-Hütten gewesen, als sich ein Schneebrett löste - eine schwere Neuschneelast auf einer instabilen Schneeschicht. 

Nach Angaben von Einsatzleiter Captain Russell Greene berichteten die Überlebenden, jemand habe noch «Lawine!» gerufen, dann sei die Gruppe rasant erfasst worden. Die Lawine sei demnach etwa so lang wie ein Footballfeld gewesen - gut 100 Meter. In der Gruppe waren neun Frauen und sechs Männer. 

Überlebende finden Schutz im Wald

Mehr als 50 speziell ausgebildete Kräfte, darunter viele Freiwillige, arbeiteten sich bei Sturm, Schneetreiben und zeitweise schlechter Sicht ins Gelände vor. Eine Pistenraupe kam nur bis auf gut drei Kilometer an die Unglücksstelle heran. Von dort aus mussten die Einsatzkräfte auf Skiern weiter. Erst gegen 17.30 Uhr erreichte das erste Team die Überlebenden. 

Das Sheriffbüro sei mit ihnen über einen Notfall-Satelliten-Nachrichtendienst in Kontakt gewesen, über den sie Textnachrichten senden konnten. Die sechs hatten sich in einem Wald in Sicherheit gebracht. Sie litten laut Angaben der Einsatzleitung unter Verletzungen und medizinischen Problemen, zwei von ihnen konnten nicht mehr gehen. Drei Tote hatten sie demnach selbst bereits im Lawinenfeld ausgemacht, während sie auf Hilfe warteten. 

Von den sechs Geretteten ist einer ein Bergführer. Die fünf anderen Überlebenden sind Gäste, drei Männer und zwei Frauen. Zwei Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht; die Verletzungen seien nicht lebensbedrohlich, hieß es. 

Bergung wegen Lawinengefahr erschwert

Die Toten konnten bislang nicht geborgen werden – das Gelände sei steil, die Gefahr weiterer Lawinen hoch und der Einsatz für die Rettungskräfte schwierig, hieß es. Die Behörden warnten vor weiteren Ausflügen ins Gebirge. Inzwischen sei knapp ein Meter weitere Schnee gefallen, die Lawinengefahr bleibe deshalb hoch. «Die Natur nimmt keine Rücksicht – egal, wie erfahren oder gut vorbereitet man ist», sagte Sheriff Moon.

Der Nationalwald Tahoe liegt in Kalifornien an der Grenze zum US-Bundesstaat Nevada, in ihm befindet sich auch der bei Touristen ebenfalls beliebte Lake Tahoe. Der Lawinenabgang ereignete sich nordwestlich des Sees. 

Die Region hat in der Vergangenheit bereits schwere Lawinen erlebt – das letzte Ereignis dieser Größenordnung liegt allerdings schon Jahrzehnte zurück: Im März 1982 kamen bei einem Lawinenunglück in einem alpinen Skiresort im Lake-Tahoe-Gebiet sieben Menschen ums Leben; eine Frau überlebte, nachdem sie fünf Tage lang unter Schnee begraben war.


Bildnachweis: © -/Nevada County Sheriff's Office/AP/dpa
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